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Nordrhein-Westfalen

Historischer Stadtkern Unna

Stadtgeschichte

Unna liegt zwischen Dortmund und Soest, den alten westf채lischen Handelsmetropolen, in der mittleren Hellwegzone. Dieser schmale, fruchtbare L철횩saum an der Nordflanke des Haarstrangs war schon seit der Jungsteinzeit besiedelt und z채hlte sp채ter stets zu den volkreichen Regionen in Westfalen.

Namengebend f체r die Landschaft war der schon seit fr체hgeschichtlicher Zeit existierende Hellweg, eine das ebene Terrain des Gebirgsfu횩es nutzende Querverbindung zwischen Niederrhein und Oberweser (als den Magistralen Nordwestdeutschlands).

Vom Dorf zu Stadtwerdung

In den Sachsenkriegen Karls des Gro횩en diente der Hellweg den fr채nkischen Truppen als Aufmarschweg Richtung Weser. Kaiser Karl lie횩 in regelm채횩igen Abst채nden am Hellweg K철nigsh철fe anlegen, die den fr채nkischen Vormarsch als Etappenstationen unterst체tzten.

Ob Unna ebenso wie Dortmund aus einem dieser karolingischen H철fe hervorgegangen ist, gilt als fraglich. M철glicherweise entstand Unna erst im Zuge der nachfolgenden Christianisierung des Sachsenlandes als ein Fronhof (curtis) der k철lnischen Erzbisch철fe, der hier im 9. oder 10. Jh. zusammen mit einer Kirche der Heiligen Clemens und Dionysius die Keimzelle der Stadtentwicklung bildete (Stoob 1975).

In jedem Fall z채hlt die Kirche, deren Clemenspatrozinium wiederum auf K철ln verweist, mit ihrem urspr체nglich riesigen Sprengel von Dortmund bis Werl zu den 채ltesten Pfarreien (sog. Urpfarreien) im Hellweggebiet.

1032 wird anl채sslich des Verkaufs der Kirche durch den Erzbischof von K철ln an das Kloster Deutz Unna erstmals urkundlich erw채hnt.

Der erzbisch철fliche Fronhof und die Urpfarrkirche wurden nicht unmittelbar am Hellweg errichtet, sondern strategisch g체nstiger auf einem H철hensporn s체dlich der Stra횩entrasse. Abzweige aus 철stlicher und westlicher Richtung verbanden die Fernstra횩e mit diesem Siedlungskern Unnas. Dabei stellt die Urpfarrkirche einen Vorg채ngerbau der heutigen Evangelischen Stadtkirche an gleicher Stelle dar, den k철lnischen Freihof vermutet Timm (1975) als rundlich begrenztes Siedlungsareal im Bereich des heutigen Krummfu횩es, w채hrend Stoob den Hof n철rdlich der Kirche lokalisiert.

Als Zuwegungen vom Hellweg sind in etwa die Trassen Obere Husemannstra횩e / Gerhart-Hauptmann-Stra횩e (von Westen) und Hellweg / Morgentor / Morgenstra횩e (von Osten) anzunehmen.

Unweit n철rdlich der Kirche lag der Gerichtsplatz (얰rithof) des mittelalterlichen Gogerichts, das urspr체nglich einen Einzugsbereich in der Gr철횩e der Urpfarrei Unna besa횩. Der 얰rithof, in seinem Grundriss bezeichnet durch Burgstra횩e / L체ningstra횩e, hebt sich bis heute etwa kreisf철rmig aus dem Stra횩enraster der Altstadt ab.

Der 채lteste Siedlungskern Unnas umfasst mithin das nord철stliche Altstadtviertel mit der Bahnhofstra횩e als ungef채hrer Westgrenze. Die topographischen Besonderheiten eines gewiss befestigten Kirchplatzes, einer Gerichtsst채tte und eines unregelm채횩ig-kleinteiligen Stra횩ennetzes (im Gegensatz zum planvolleren Stra횩enraster sp채terer Stadterweiterungen) haben sich im Grundrissbild der Stadt bis heute sorgf채ltig tradiert.

Gogericht und Urpfarrei machten Unna zu einem Zentralort mit erheblichem Einzugsbereich.

Die g체nstige Verkehrslage am Hellweg wurde noch verst채rkt durch die zus채tzliche B체ndelung einiger Nord-S체d-Verbindungen (von allerdings sekund채rer Bedeutung), die vom n철rdlichen Sauerland (Menden, Iserlohn, Schwerte, H철rde) ins S체dm체nsterland f체hrten (Hamm, Kamen, Werne).

Auf dieser Basis entwickelte sich im 12. Jh. zus채tzlich eine Marktsiedlung, die dem alten Kerngebiet um Freihof und Kirche nach Westen und S체den vorgelagert war. Fr체hestes urkundliches Indiz f체r die Existenz eines Marktgeschehens in Unna ist die Erw채hnung eines eigenen Kornma횩es 1210.

Diese erste Siedlungserweiterung der mittelalterlichen Stadt orientierte sich vor allem entlang der oben erw채hnten Ausfallstra횩en, die mit Abschluss des Stadtwerdungsprozesses als Torstra횩en eine besondere Bedeutung annehmen sollten: K철nigsstra횩e (heute Gerhart-Hauptmann-Stra횩e), Massener Stra횩e, Hertinger Stra횩e, Wasserstra횩e. Sie pr채gen bis heute das Altstadtbild als Einkaufsstra횩en (teils Fu횩g채ngerzonen).

Der Marktort des 12. Jahrhunderts besa횩 kaum 7 ha Fl채che und d체rfte noch weitgehend unbefestigt gewesen sein.

f체r die beginnende Herrschaftsbildung der Grafen von der Mark r체ckte die kleine Siedlung Unna rasch in den Blickpunkt des Interesses, da sie auf halbem Wege zwischen den wichtigen Burgen Altena und Mark einen markanten St체tzpunkt bildete: 1243 wurden Adolf I. von der Mark Kirchenvogtei und Gerichtsbarkeit in Unna zugesprochen, womit die Basis f체r die Stadtherrschaft der Grafen in Unna f철rmlich gelegt war.

F체r Unna deutet die Urkunde von 1243 auf die beginnende Stadtwerdung hin, da der Ort bereits einen eigenen Gerichtsbezirk ausgebildet hatte.

Um 1261/62 erfolgte vermutlich eine neuerliche, planm채횩ige Erweiterung Unnas durch die Grafen von der Mark, jetzt auf 체ber 12 ha Grundfl채che: Wiederum wurde das Siedlungsterritorium nach Norden, Westen und S체den erweitert, w채hrend die Ostausdehnung unver채ndert blieb. Die alten Siedlungskerne Unnas gerieten somit in 철stliche Randlage wie es f체r das Altstadtbild bis heute charakteristisch ist. Neuer topographischer Mittelpunkt des gewachsenen Stadtgebietes wurde jetzt der s체dwestlich dem Kirchhof angelagerte Marktplatz (Ersterw채hnung 1290).

Bei Gelegenheit dieser Vergr철횩erung d체rfte das Gemeinwesen erstmals eine Befestigung erhalten haben das belegt der Wortlaut einer Urkunde von 1264. Sie ist ein weiteres Indiz f체r die wachsende Bedeutung Unnas und den Weg des Ortes zu vollen Stadtrechten.

Ein politisches Ziel der Befestigung Unnas durch die m채rkischen Grafen d체rfte in dem wachsenden Gegensatz zu den territorialen Anspr체chen der K철lner Erzbisch철fe zu suchen sein. Unna war ein unverzichtbarer St체tzpunkt der Grafen bei der Entwicklung eines geschlossenen Herrschaftsterritoriums. Die K철lner beeilten sich, den neubefestigten Ort 1264/65 wieder zu zerst철ren, ohne allerdings dessen Stadtentwicklung andauernd verhindern zu k철nnen.

Gleichzeitig diente die Fl채chenvergr철횩erung Unnas wahrscheinlich der Ansiedlung eigenen Ministerialadels in den Stadtmauern durch das Grafenhaus: Im n철rdlichen Stadterweiterungsgebiet deuten im Urkataster einige Gro횩parzellen auf den Besatz mit H철fen der von den Grafen lehensabh채ngigen Ritterschaft.

Vielleicht geh철rt in diese Phase der Stadtwerdung bereits auch unweit der Ministerialenh철fe die landesherrliche Burg, die bastionsartig die Nordostecke der Stadtbefestigung deckt und zugleich den s체dlich angrenzenden Gerichtsplatz, den Vrithof, sch체tzt.

Bis sp채testens 1290 war die Entwicklung Unnas zur Stadt abgeschlossen: Aus diesem Jahr sind erstmals Stadtrat und Stadtsiegel 체berliefert.

Nach chronikalischer Nachricht soll Unna 1303/1308 wiederum von k철lnischen Truppen gebrandschatzt worden sein. Unmittelbar danach kam es im fr체hen 14. Jahrhundert zur letzten Stadterweiterung auf 17,5 ha. (Zum Vergleich: Die Hellwegmetropolen Dortmund und Soest besa횩en eine Fl채che von 체ber 80 ha bzw. 100 ha.)

Mit der Neuerrichtung des Mauerg체rtels erreichte die mittelalterliche Stadt ihren endg체ltigen Umfang.

얛as kleinteilige Parzellenbild im Erweiterungsg체rtel spricht f체r die B체rgerschaft als nun eigentlich treibende Kraft, doch vergr철횩erte sich auch der Burgbereich. (Stoob 1975)

Die Stadtmauer, die nochmals nach Norden, S체den und Westen erweitert wurde, erhielt jetzt sechs Tore, von denen eines nach Nordwesten (Wunneporte oder Reckerding Porte, durch die der alte Westzugang, die K철nigstra횩, zum Hellweg f체hrte) vermutlich im 16. Jahrhundert zugeschlagen wurde, so dass bis zu ihrem Abbruch im 18./19. Jahrhundert f체nf Stadttore Unna mit seinem Umland verbanden: Viehtor nach Norden, Morgentor und Wassertor nach Osten, Hertinger Tor nach S체den und Massener Tor nach Westen.

Dem durch die abermalige Erweiterung entstandenen Stadtareal entspricht recht exakt das heutige Altstadtgebiet.

Aus diesem Abschluss der Stadtwerdungsphase haben sich der 체berwiegende Teil des Altstadtgrundrisses sowie Reste der Stadtbefestigung (im Osten und S체den der Altstadt) erhalten. Dabei ist bis heute deutlich sichtbar, dass Unna durch Siedlungserweiterungen eines 채lteren Stadtkerns entstanden ist und nicht zu den planm채횩igen Stadtgr체ndungen z채hlt.

Die bestehende Altstadtbebauung stammt erst aus sp채terer Zeit.

Unna im Sp채tmittelalter

Mit Abschluss seiner rechtlichen Entwicklung hatte Unna jene Privilegien erworben, die die mittelalterliche Stadt aus ihrem Umland heraushoben:

Das Stadtb체rgertum besa횩 das Recht auf Abgrenzung und Schutz des Stadtareals durch eine Ummauerung; innerhalb der Mauern existierte ein eigener Gerichtsbezirk; die B체rgerschaft besa횩 das Recht auf Selbstverwaltung und auf Abhaltung eigener M채rkte. Das Stadtrecht war von den Grafen von der Mark als Landesherren garantiert.

Aus dem bescheidenen Umfang des Stadtgebietes resultierte die mittelalterliche Einwohnerzahl Unnas, die zu keinem Zeitpunkt auch nur 3.000 Seelen erreicht haben d체rfte. Damit z채hlte Unna auch nach mittelalterlichen Ma횩st채ben nur zu den gehobenen Kleinst채dten.

Trotzdem war es neben Hamm die wichtigste Stadt in der Grafschaft Mark und besa횩 eine erhebliche Wirtschaftskraft, die allerdings weniger auf dem Fernhandel basierte als vielmehr auf der geographischen Lage zwischen M체nsterland und Sauerland: Wie die benachbarten Hellwegst채dte war Unna Umschlagplatz zwischen diesen verschieden strukturierten Wirtschaftsgebieten, wovon die Haupthandelsg체ter des Unnaer Marktes (Getreide, Tuche, Vieh, Eisenwaren) Zeugnis ablegen. Wichtige Eigenprodukte Unnas (die bis ins Rheinland und nach Flandern gehandelt wurden) waren daneben Salz (Ersterw채hnung 1389) und Bier (Ersterw채hnung 1346).

Der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt entsprach ihre Mitgliedschaft in der St채dtehanse (belegt seit 1469). Im Jahre 1549 wurde sie zusammen mit Hamm zur Prinzipalstadt des m채rkischen Hansequartiers erhoben. Zu Ende desselben Jahrhunderts erhielt die Stadt auch das Privileg, eigene Kupferm체nzen zu pr채gen.

Ein Ausfluss der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsolidierung war das spezifische Erscheinungsbild der mittelalterlichen Stadt:

Von der Stadtbefestigung als Grenze des Stadtraumes war bereits die Rede. Sie wurde w채hrend des Mittelalters weiter ausgebaut und mit T체rmen verst채rkt (z.B. Eulenturm 1475).

Es folgte die Errichtung von Bauten b체rgerlicher Handelst채tigkeit, Selbstverwaltung und Repr채sentation, vorwiegend an prominenter Stelle innerhalb des st채dtischen Baugef체ges. Am Marktplatz entstanden das Rathaus (Ersterw채hnung 1346), Stadtwaage (1352), Stadtweinhaus (1439) und Gildehaus, das Krameramtshaus stand am Krummfu횩.

Auch die Grafen der Mark waren am inneren Ausbau der Stadt weiter beteiligt. In der 2. H채lfte des 14. Jahrhunderts sind Bauma횩nahmen an der gr채flichen Burg 체berliefert, die 1405 in Ritterbesitz 체berging. Im gleichen Zeitraum entstand in Unna eine gr채fliche M체nzst채tte (1347). Bereits 1295 wird in Unna eine Schule in landesherrlichem Besitz erw채hnt; sie wurde 1372 der Stadt 체bereignet.

Von besonderer Bedeutung f체r mittelalterliche Gemeinwesen war der Sakralbau nicht zuletzt als Gradmesser f체r die Prosperit채t der B체rger. In Unna ist an erster Stelle zu nennen der Bau der bestehenden gotischen Stadtkirche, mit dem 1322 begonnen wurde und der erst 1479 mit dem Turmausbau abgeschlossen war. Die f체r die kleine Hellwegstadt enorme Kirchengr철횩e machte innerhalb der Altstadtgrenzen die Installierung eines zweiten Pfarrbezirkes bis heute 체berfl체ssig.

Bereits 1315 war an der Massener Stra횩e (1275 erstmals als 엙latea de Massene erw채hnt) ein Heilig-Geist-Spital mit zugeh철riger Kirche entstanden.

Zur baulichen Verdichtung in der sp채tmittelalterlichen Stadt trug wesentlich die Ansiedlung von Ordensniederlassungen bei. Es ist charakteristisch f체r Rang und Finanzkraft einer Kleinstadt wie Unna, dass solche Ansiedlungsversuche allerdings 체berwiegend scheiterten.

So ging eine Niederlassung der Minoriten aus dem 14. Jahrhundert (Ersterw채hnung 1339) wohl schon im sp채ten Mittelalter wieder ein. Die Augustiner-Eremiten errichteten in Unna lediglich eine Terminei, zum Klosterausbau kam es nicht. Erst 1459 gelang an der Klosterstra횩e unweit der Stadtmauer die Installierung eines Augustinerinnenklosters St. Barbara, das bis 1809 Bestand hatte.

Aus dem Sp채tmittelalter sind einige wenige Baulichkeiten in der Altstadt erhalten geblieben, n채mlich mit dem Ulrichs- und dem Eulenturm zwei Stadtmauert체rme der sp채teren Ausbaustufe, Teile der landesherrlichen Burg mit dem charakteristischen Rundturm, geringe bauliche Reste der Klosterkirche St. Barbara im Haus Klosterstra횩e 45 und vor allem die bis heute stadtbildherrschende Pfarrkirche.

Unna in der fr체hen Neuzeit

Die nachreformatorische Zeit (Durchf체hrung der Reformation seit 1559) brachte f체r Unna den sukzessiven Abstieg zur preu횩ischen Landstadt mit 체berwiegend agrarischem Charakter. Als wichtige ereignisgeschichtliche Stichdaten dieser Entwicklung sind zu nennen:

  • 1597 Pestepidemie in Unna, angeblich 1.400 Tote;

  • 1598 Beginn zahlreicher Einquartierungen, Kontributionen, Brandschatzungen etc. in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Neuzeit (spanisch-niederl채ndischer Krieg; Drei횩igj채hriger Krieg; Siebenj채hriger Krieg);

  • 1609 Aussterben des m채rkischen Grafenhauses; die Grafschaft Mark f채llt 1624 durch Erbgang und vertragliche Regelung an Brandenburg;

  • 1673 franz철sische Truppen unter Turenne zerst철ren rund 160 H채user in der Stadt;

  • 1678/1723 Gro횩br채nde vernichten einen hohen Prozentsatz des Geb채udebestandes innerhalb der Stadtmauern (1723: 131 H채user abgebrannt);

  • 1718 얢nterims-Instruction f체r den Stadt-Magistrat: Aufhebung der alten st채dtischen Rechte und Freiheiten;

  • 1719 Unna verzeichnet einen Bev철lkerungsstand von 1.469 Personen, womit sich die Einwohnerzahl seit dem Sp채tmittelalter nahezu halbiert hat.

Hinzu kam als wichtiges Moment strukturellen Wandels der Bedeutungsschwund des Hellweges als Handelsstra횩e. Die vormals so wichtige Ost-West-Fernverbindung verlor ab dem sp채ten Mittelalter ihren Vorrang im westdeutschen Stra횩ennetz zugunsten der nach Norden, zu den Seeh채fen f체hrenden Fernstra횩en.

Entsprechend der sinkenden Bedeutung des Hellwegs kam der von Unna ausgehende, ohnehin eher bescheidene Fernhandel des Mittelalters in der Neuzeit v철llig zum Erliegen. Im Zusammenhang damit steht das Ausscheiden Unnas aus der St채dtehanse, an die 1620 die letzte Beitragszahlung erfolgte. Die Stadt blieb jedoch regionaler Wirtschaftsfaktor mit bescheidenem Einzugsbereich zwischen Dortmund und Werl. Davon zeugt u.a. der fr체he Bau von Kunststra횩en (Chausseen) durch Unna, etwa auf der Strecke Hagen-Unna-Kamen-Pelkum im sp채ten 18. Jahrhundert sowie zwischen Unna und Werl in den Jahren 1817/18.

Seine Fortdauer als st채dtisches Mittelzentrum verdankte Unna nicht dem zentralstaatlichen Wirtschaftssystem preu횩ischer Pr채gung (Merkantilismus), sondern seinen Verwaltungs- und Dienstleistungsfunktionen, so vor allem einer differenzierten Handwerksstruktur oder etwa der Installierung eines Landgerichts 1753.

Eine gro횩e Feldmark au횩erhalb der Stadtmauern beg체nstigte das Ackerb체rgertum in der Stadt, das schon seit dem Mittelalter ein bedeutender Erwerbszweig der Einwohnerschaft war und mit der Stagnation des 체berregionalen Handels an Bedeutung noch zunahm.

In seiner zentral철rtlichen Bedeutung f체r die Grafschaft Mark blieb Unna im 18. Jahrhundert hinter Hamm und Iserlohn zur체ck, bis zum Beginn der Industrialisierung um 1850 hatten auch Bochum und Hagen es 체berfl체gelt.

Nach einer Auflistung f체r 1849 lag Unna hinsichtlich seiner Wirtschafts- und Verwaltungszentralit채t unter den 98 St채dten der preu횩ischen Provinz Westfalen immerhin noch auf dem 15. Rang (nach Blotevogel).

Einwohnerzahlen 1849:

  • Iserlohn 11.900

  • Hamm 6.005

  • Bochum 4.877

  • Hagen 5.238

  • Unna 5.663.

Im Stadtbild machte sich der rezessive Charakter der Stadtentwicklung ebenfalls bemerkbar.

In der stets durch Fachwerk gepr채gten Stadt waren im Mittelalter die repr채sentativen Geb채ude noch in Massivbauweise entstanden, so die Kirchen, die gr채fliche Burg, der Rathausneubau 1489, Gildehaus und Krameramtshaus sowie (nachweisbar) sechs weitere, private (b체rgerliche oder adelige) Geb채ude des Zeithorizonts bis 1600. 얙ereits in den Jahren nach 1600 endet jedoch wieder in Unna die Baut채tigkeit mit Sandstein f체r viele Jahrzehnte. 쪫ie ganz aus Stein bestehenden sp채tmittelalterlichen Bauten sind den Sph채ren des Adels und der st채dtischen Repr채sentation zuzurechnen, w채hrend sich die Steinbaut채tigkeit der b체rgerlichen Oberschicht zuerst auf Steinwerke beschr채nkt.

(Spohn 1995)

Die Zahl der in der Neuzeit nach 1600 bis zum Historismusbeginn (2. H. 19. Jh.) entstandenen Massivbauten betrug lediglich f체nf (!), 체berwiegend am Markt lokalisierbar.

In der Neuzeit entstanden bis weit ins 19. Jahrhundert fast ausschlie횩lich Fachwerkh채user, die bis heute das Stadtbild entscheidend mitpr채gen.

Damit war zugleich die Kontinuit채t der mittelalterlichen Stadtgestalt sichergestellt.

Deren Nachteile hohe Bebauungsdichte bei Fachwerkbauweise f체hrten insbesondere in der fr체hen Neuzeit zu verheerenden Stadtbr채nden, 체berliefert f체r 1458, 1537, 1538, 1673, 1678 und 1723. Diese wiederum waren der einzige Antrieb zu st채dtebaulichen Ver채nderungen innerhalb des Maurringes, diesmal ausgehend von der staatlichen Obrigkeit:

Der Gro횩brand von 1723, der von 464 Geb채uden 131 ein채scherte, bildete z.B. in Unna f체r die m채rkische Regierung den Anlass, den Wiederaufbau nach Gesichtspunkten der Feuersicherung einzufordern:

  • Trennung von Wohnh채usern und Scheunen sowie Zusammenfassung der Scheunen in Scheunenvierteln vor den Stadtmauern,

  • weitere Herabsetzung der Bebauungsdichte durch Aussiedlung,

  • geometrisierende Gliederung des Stadtgrundrisses,

  • Stra횩enbegradigung und 뱕erbreiterung,

  • Bevorzugung der Steinbauweise,

  • Normierung von Haustypen (Traufenst채ndigkeit) und Hausgr철횩en.

Der st채dtebauliche Neuordnungsplan, den Johann Michael Moser unmittelbar nach dem Brand 1723 als ersten parzellenscharfen Stadtplan vorlegte, sah f체r die abgebrannten Stadtviertel im Norden und Osten Stra횩enverbreiterungen bei den wichtigen Magistralen Morgenstra횩e und Wasserstra횩e vor. Ebenso war eine Neuordnung des Burgbereiches geplant mit einem Stra횩endurchbruch von der Burgstra횩e zur Morgenstra횩e.

Letztlich aber konnte sich in Unna wie in anderen westf채lischen St채dten die Obrigkeit selbst mit solch reduzierten Planungen nicht durchsetzen.

So ist in Unna nach 1723 lediglich eine Forcierung der traufst채ndigen Bauweise zu konstatieren, w채hrend an Stadtgrundriss oder Baumaterialien keine Ver채nderungen vorgenommen wurden.

Bereits im 17. Jahrhundert begann der Verfall der Stadtbefestigung, anfangs mit dem Austrocknen der Stadtgr채ben, sp채ter mit dem Abbruch der Tore und Mauerz체ge. Heute sind nunmehr Reste der Stadtmauer samt T체rmen erhalten.

Im Stadtgrundriss war damit die klare Konturlinie des mittelalterlichen Gemeinwesens aufgegeben, ein Wachstum 체ber die Altstadtr채nder hinaus wurde ungehemmt m철glich. Trotzdem verblieb Unna noch lange innerhalb seiner mittelalterlichen Grenzziehung, erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein bescheidenes Wachstum entlang der Ausfallstra횩en.

Insgesamt erbrachte die fr체he Neuzeit im Stadtbild keine gravierenden 횆nderungen. Dem wirtschaftlichen R체ckgang entsprach der Verzicht auf repr채sentative Bauprojekte (als Ausnahme ist lediglich der Rathausneubau von 1833 zu nennen). Zeichen der Zeit war die sukzessive Niederlegung der Stadtbefestigung Grundvoraussetzung f체r ein forciertes st채dtebauliches Wachstum ab dem sp채ten 19. Jahrhundert.

Unna im Zeichen von Industrialisierung und Weltkriegen

Die Randlage zum Ruhrgebiet erwies sich f체r die Entwicklung Unnas zur Industriestadt nicht als f철rderlich. Zu einer lebhaften Ansiedlung von Industriebetrieben kam es erst seit den 1880er Jahren. Vorboten einer solchen Entwicklung lassen sich allerdings schon seit der Jahrhundertmitte festmachen:

  • 1854 Gr체ndung der Massener Gesellschaft f체r Kohlebergbau,

  • 1855 Er철ffnung der Eisenbahnlinie Dortmund-Unna-Soest-Altenbeken,

  • 1855 Gr체ndung der ersten Maschinenfabrik,

  • 1859 Gr체ndung der ersten Gro횩brauerei,

  • 1860 Inbetriebnahme der Gasanstalt Unna,

  • 1867 Er철ffnung der Eisenbahnlinie Hagen-Unna-Hamm,

  • 1876 Beginn einer st채dtischen Wasserversorgung.

Ab etwa 1880 wurde wie erw채hnt auch Unna vom Boom der Gr체nderjahre erfasst. Bis 1899 erfolgten 17 weitere Firmengr체ndungen, vorwiegend im Bereich der Metallverarbeitung, die sich schwerpunktm채횩ig in Unna etablierte. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Bev철lkerungszahl von 7.690 auf 14.912 Einwohner. Dieser Zuwachs basierte insbesondere auf dem Zuzug tausender Arbeitskr채fte, vorwiegend aus Schlesien, Lippe, dem Sauer- und Siegerland. Die Stadt Unna wurde erstmals mit dem Problem der Wohnraumknappheit konfrontiert.

Jedoch kam es immer noch nicht zu einem geordneten Wachstum 체ber den einstigen Mauerring hinaus (obwohl 1898 letztmals ein Stadtmauerabschnitt vom Hertinger Tor bis zum Eulenturm niedergelegt wurde und obwohl schon 1855 die Anlage des Bahnhofs n철rdlich der Stadt einen Wachstumsimpuls in diese Richtung vermittelt hatte). Stattdessen wuchs die bauliche Verdichtung in der Altstadt weiter:

1877 kam es mit der Neuanlage der Rahlenbeckstra횩e zur ersten Grundrissver채nderung innerhalb des Stadtmauerrings seit dem Mittelalter. Hier entstanden in der Folgezeit Mietsh채user.

1883 1917 z채hlen die Bauakten 34 Neubauten (= 7,5 % der Gesamtbausubstanz) in der Altstadt, vorwiegend in Bahnhof-, Morgen-, Gerhard-Hauptmann-Stra횩e und vorderem Teil der Massener Stra횩e. Ihre Lage charakterisiert diese Bauten vorwiegend als Gesch채ftsh채user (mit Mietwohnungen in den Obergeschossen). 1914 entstand ein neues Rathaus an der Bahnhofstra횩e.

Wohnraum vor allem f체r die Arbeiterschaft boten die nun entstehenden Zechensiedlungen und Werkswohnungen, die allerdings zumeist weit jenseits der Stadtgrenze, in unmittelbarer N채he der Betriebe entstanden (bekanntestes Beispiel: die Kolonie der Zeche K철nigsborn, n철rdlich von Unna).

Erst mit den gr체nderzeitlichen Bauten ab 1880 begann sich in Unna die Massivbauweise endg체ltig durchzusetzen. Kurz zuvor waren an der Grabengasse, Fl체gelstra횩e 7 (1861), Massener Stra횩e 22 (1868), Burgstra횩e 10 (1870) oder Schulstra횩e 9 private Neubauten noch in Fachwerk errichtet worden teils mit einer Massivfassade als Konzession an den Zeitgeschmack.

Stilistisch waren diese Bauten dem Historismus verhaftet, wobei Neogotik und Neorenaissance 체berwogen. Der Jugendstil spielte in Unna keine Rolle.

In der Zeit zwischen den Weltkriegen blieben insbesondere Kohlef철rderung und Metallverarbeitung die wichtigsten Erwerbszweige (dazu Ziegel- und Brauindustrie sowie im benachbarten K철nigsborn der Salzbergbau, der aber 1940 eingestellt wurde).

Zwischen 1918 und 1936 erfolgten in Unna noch sieben Firmenneugr체ndungen. Unnas einzige Zeche auf Stadtgebiet, 얖lter Hellweg, nahm 1921 die Kohlef철rderung auf.

Doch zeichnete sich bereits der Wandel Unnas von der Industriestadt zum Dienstleistungszentrum ab, als 1927 der Beschluss erfolgte, den Kreissitz von Hamm, das kreisfrei war, nach Unna zu verlegen. 1930 nahm die Kreisverwaltung ihren Sitz in Unna.

Resultat dieser Entwicklung war der Zuzug kreisabh채ngiger Beh철rden, Verwaltungen und weiterer Zentraleinrichtungen aus Kirche, Milit채r, Handwerk, Schul- sowie Gesundheits- und Kreditwesen.

Die g체nstige Verkehrslage am Hellweg bescherte Unna schon seit den 1920er Jahren ein Problem mit dem zunehmend motorisierten Durchgangsverkehr, da die Reichsstra횩e 1 (Aachen - K철nigsberg) die Altstadt von Unna auf der Linie Massener Stra횩e Bahnhofstra횩e Morgenstra횩e durchquerte.

Bereits um die Mitte der 1930er Jahre wurde eine S체dumgehung der Altstadt festgestellt, die heute n och die Trasse der Bundesstra횩e 1 (Ruhrschnellweg) darstellt.

Die st채dtebauliche Entwicklung vollzog sich in den Jahrzehnten zwischen den Weltkriegen zunehmend au횩erhalb der alten Stadtmauern:

  • 1930 Bau des neuen Kreishauses am Altstadtrand (Burgstra횩e 30),

  • 1934 Baubeginn der SS-Kaserne Iserlohner Stra횩e,

  • 1938 Heereszeugamt K철nigsborn.

Die Baut채tigkeit innerhalb der Altstadt blieb in der kurzen Zeitspanne zwischen den Weltkriegen gering (eine der wenigen Ausnahmen Bahnhofstra횩e 17 von 1927). Von besonderer Bedeutung f체r das Bild der Altstadt war allerdings der Neubau der Katharinenkirche 1933/34, die jetzt ihre charakteristische Doppelturmfassade erhielt, durch die sie in der Stadtsilhouette seither entscheidend mitspricht.

Die Zerst철rungen des 2. Weltkrieges wirkten sich in Unna nicht so gravierend aus, dass sie wie in anderen deutschen St채dten eine stadtbaugeschichtliche Z채sur bewirkt h채tten. Vielmehr blieb Unnas Altstadt in ihrer Struktur und Substanz weitgehend unversehrt erhalten. Die 32 Bombenangriffe, die die Alliierten auf Unna flogen, nahmen vorwiegend milit채rische Einrichtungen zum Ziel.

Innenstadtzerst철rungen erfolgten in erster Linie durch Jagdbomberangriffe und Artilleriebeschuss kurz vor der Einnahme Unnas im April 1945. Bei den Kampfhandlungen wurden vor allem an Bahnhof-, Wasser-, Sch채fer-, Kloster- und Gerhart-Hauptmann-Stra횩e Einzelgeb채ude einge채schert.

Insgesamt waren bei Kriegsende von den 1939 vorhandenen 5.487 Wohnungen in Unna

  • 220 (= 4 %) zerst철rt,

  • 735 (= 13,4 %) schwer besch채digt,

  • 670 (= 12,2 %) mittelschwer besch채digt,

  • 1.400 (= 25,5 %) leicht besch채digt.

Zum Vergleich: Der Zerst철rungsgrad der benachbarten St채dte Soest (75 %), Dortmund (65 %) oder Hamm (60 %) lag um ein vielfaches h철her.

Strukturwandel der Nachkriegszeit

War der Zerst철rungsgrad Unnas 1945 relativ gering, so hatte sich die Stadt in der Folgezeit allerdings mit einer erh철hten Fl체chtlingsproblematik auseinanderzusetzen: Bei Kriegsbeginn 1939 hatte die Einwohnerzahl Unnas 19.914 betragen. Durch Zuzug ausgebombter Familien aus dem Ruhrgebiet und Fl체chtlingsfamilien aus den deutschen Ostgebieten erh철hte sich die Einwohnerzahl in k체rzester Zeit um 체ber 6.000 Menschen, so dass noch 1950 rund 25.000 Einwohner in dem durch Kriegseinwirkung ohnehin verminderten Wohnraum Unterkunft finden mussten.

Dem geringen Zerst철rungsgrad der Stadt entsprechend kam es in Unna zu keiner ausgepr채gten Phase des Wiederaufbaus. In der Altstadt waren 체berwiegend Einzelgeb채ude zu ersetzen. Nur in Ausnahmef채llen, wie an der Wasserstra횩e 1949/50, wurden ganze Stra횩enzeilen neuerrichtet.

횥berwiegend waren an den Geb채uden leichte Luftdrucksch채den etc. zu beheben. f체r den Abschluss dieser Arbeiten steht die Fertigstellung der evangelischen Stadtkirche, die nach zwei Granattreffern 1948 wieder in Benutzung genommen werden konnte.

Nachdem Unna in den 1950er Jahren noch vom bundesdeutschen 얱irtschaftswunder hatte profitieren k철nnen, wurde es schon bald von der Strukturkrise (얶echensterben) des Ruhrgebietes miterfasst.

1961 erfolgte die Einstellung des Kohlebergbaus auf Unnas einziger Zeche 얖lter Hellweg. In der Folgezeit mussten auch die vom Bergbau abh채ngigen Zulieferbetriebe schlie횩en, schlie횩lich stellten auch Firmen der Metallverarbeitung und des Maschinenbaus sowie der Brauindustrie ihre Produktion ein.

Den Strukturvorstellungen, die zu einseitig das industrielle Profil Unnas betont hatten, begegnete die Stadt seit den 1960er Jahren mit dem Ausbau des Dienstleistungssektors, dessen Anf채nge schon der Weimarer Zeit gelegen hatten.

Stichdaten zur weiteren Entwicklung:

  • 1956 wird Unna Bundeswehrgarnison, 1959 Divisionsstab;

  • 1957 Anschluss Unnas an das bundesdeutsche Autobahnnetz;

  • 1964 Elektrifizierung des Bahnverkehrs; Taktverkehr zwischen Unna und Dortmund; Einstellung der seit 1906 verkehrenden Stra횩enbahn;

  • 1968 kommunale Neugliederung; Unna w채chst durch Eingemeindungen auf 체ber 50.000 Einwohner und wird Verwaltungssitz eines Gro횩kreises. In der Folgezeit forcierte Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen.

St채dtebaulich ergaben sich f체r Unna in der Nachkriegszeit andere Probleme als f체r die meisten Ruhrgebietsst채dte:

Durch den Wegfall einer eigentlichen Wiederaufbauphase mit der andernorts typischen st채dtebaulichen Neuordnung setzten schon bald 횥berlegungen ein, wie dem 왗펉eralterten Erscheinungsbild der Innenstadt zu begegnen sei, die nach dem 엕odernen Wiederaufbau vieler Nachbarst채dte zunehmend mit Attraktivit채tsverlust rechnen musste, nicht zuletzt wegen einer nicht autogerechten Innenstadt.

B체rgermeister Emil Rasche wies schon 1957 auf die au횩erordentliche Bedeutung von Autobahnen und Schnellstra횩en f체r die Entwicklung von Unna hin: 얭o liegt die alte Hellwegstadt im Schnittpunkt des sich steigernden Autoverkehrs. Notwendig ist es heute schon, dass wir unsere Aufmerksamkeit st채rker auch in der Kommunalpolitik diesen gro횩en Verkehrsstr채ngen zuwenden, da sie uns Entwicklungen aufzwingen, die wir heute nur ahnen k철nnen. Die Stadt muss den Zubringerverkehr verst채rken, damit der Stadtkern einst nicht als isolierte Insel daliegt.

Resultat solcher Vor체berlegungen war in den 1960er Jahren die Anlage einer Ringstra횩e um den nach Westen erweiterten Altstadtkern als Teil der B233 (Werne - Iserlohn). 1978 wurde das Ringstra횩enprojekt abgeschlossen mit der Er철ffnung des Ringtunnels (im Rathausbereich).

Da die Ringstra횩e die Innenstadt vom Fernverkehr freihielt, er철ffnete sie die M철glichkeit gro횩z체giger Fu횩g채ngerbereiche in der Altstadt:

1967/70 wurden Bahnhofstra횩e und Markt zu Fu횩g채ngerzonen umfunktioniert und anschlie횩end neugestaltet, 1974 folgte die Fu횩g채ngerzone Massener Stra횩e, 1982 der Fu횩g채ngerbereich in der Hertinger Stra횩e.

Mit den Fu횩g채ngerzonen ist die Nachkriegsentwicklung der Innenstadt angesprochen:

Als Zielvorstellung formulierte dazu B체rgermeister Rasche 1957:

얛er historische Stadtkern bedarf einer intensiven Pflege und Planung. Tradition darf nicht zur Erstarrung werden, sondern wir sind verpflichtet, die alten Werte einem gesunden Wandel zu unterwerfen. Eine durchgeplante Altstadtsanierung ist ein bedeutendes kommunales Problem. Was verg채nglich ist, kann nicht erhalten werden. Wir sollten nur den Versuch unternehmen, uns sch철nen alten Formen anzupassen. Der Alte Markt hat eine geschlossene architektonische Form, Baus체nden des 19. Jahrhunderts sollten allm채hlich gerade hier 체berwunden werden.

Hier klingt fr체h der Wunsch nach Fl채chensanierung der Altstadt an, die bei Belassung des Marktplatzes als 엋istorische Mitte eine v철llige Neuordnung des Altstadtgebietes anstrebte.

1966 ging man mit einem st채dtebaulichen Ideenwettbewerb Stadtkern Unna an die Realisierung dieses Vorhabens:

Der zweite Preis (Einsele, M체ller-Zantop, von Reu횩) wurde ausgew채hlt, die Grundlage eines st채dtebaulichen Rahmenplanes zur Stadtkernsanierung zu bilden, der 1969/70 vom gleichen Planungsb체ro erarbeitet wurde.

1972 begann die Sanierung der Altstadt Unna mit dem Bebauungsplan Nr. 29 Eulenstra횩e: Im s체d철stlichen Stadtquartier zwischen Hertinger und Wasserstra횩e war die Bausubstanz fr체hhistorisch und auch 채lter stark verfallen und sanierungsbed체rftig. Sie wurde weitgehend durch Neubauten ersetzt, dabei die historische Stra횩enf체hrung (Eulenstra횩e, Kletterpoth, Grabengasse) willk체rlich ver채ndert.

Weitere Sanierungsma횩nahmen dieser Art unterblieben in der Altstadt Unna, so dass historische Bebauung und mittelalterlicher Stadtgrundriss auch dem Ver채nderungsdruck der Nachkriegszeit vielfach widerstanden.

Vielmehr setzte schon in den 1970er Jahren ein Umdenken hinsichtlich des historischen Stadtkerns ein, man vergleiche den kritischen Nachbericht von T. Rommelspacher zum Bebauungsplan Eulenstra횩e, der schon 1973 in der 얭tadtbauwelt erschien.

Die st채dtebauliche Aufwertung der Altstadt machen folgende Strukturdaten deutlich:

Bereits ab 1953 kam es zu Fachwerkfreilegungen in der Altstadt; den Beginn machten Rahlenbeckscher Hof, Hertinger Stra횩e 32 (1956), Massener Stra횩e 26 (1959).

Ab 1978 war die seit etwa 1968 andauernde 얖bbrucheuphorie unter den Fachwerkbest채nden Unnas nur noch eingeschr채nkt wirksam. Jedoch f채llt bis heute wertvolle Bausubstanz in Unnas Altstadt dem Abriss zum Opfer. (Man vergleiche die instruktive Auflistung bei Spohn 1995, S. 187f.)

1982 begann bezeichnenderweise mit dem bescheidenen Fachwerkhaus Klosterwall 24 die Eintragung von Baudenkm채lern in der Altstadt Unna.

1987 lag in Form einer volkskundlichen Dissertation die erste wissenschaftliche Aufarbeitung des historischen Unnaer Profanbaubestandes durch Thomas Spohn vor (gedruckt 1995).

1991 begann mit dem Burgbereich, dem Kirchplatz und dem ehem. Frithof die Eintragung von Innenstadt-Bodendenkm채lern.

1996 kam es zur ersten arch채ologischen Untersuchung im Innenstadtbereich, betreffend die alte Stadtmauer.

1997 wurde vom Planungsb체ro Prof. Krause, Dortmund, die Gestaltleitplanung Altstadt Unna in zwei B채nden vorgelegt.