Denkmal des Monats - Oktober 2018

Ostwestfalen Lippe
St. Johannes Baptist (Warburg)

Bereits das Äußere der Neustädter Pfarrkirche lässt in aller Deutlichkeit erkennen, dass hier Bauteile verschiedener Stilstufen vereinigt wurden. Dieser Eindruck bestätigt sich im Inneren, wenn man von dem niedrigen, nur spärlich belichteten Langhaus in den hohen, hellen Chor blickt.

Nachdem der Paderborner Bischof Bernhard IV. im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts oberhalb der Hangkante zum Diemeltal die Warburger Neustadt gegründet hatte, entstand in zentraler Lage neben dem im 19. Jahrhundert abgetragenen Rathaus auch eine dem hl. Johannes Baptist geweihte Kirche. Von diesem Ursprungsbau haben sich als Langhaus die dreischiffige Halle mit Querhaus und die unteren Turmgeschossen erhalten.

Für 1250 gibt es die erste urkundliche Erwähnung eines Neustädter Pfarrers, etwas später dürfte die Kirche in ihrer Erstbauphase fertig geworden sein. An den Turmobergeschossen wurde vom späten 13. bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhundert weitergebaut. Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden an beiden Seiten des Langhauses Kapellenanbauten. Der neugotische Turmhelm stammt von 1901/02.

Gestalterisch und stilistisch zeigen sich an den ältesten Gebäudeteilen Übereinstimmungen zu westfälischen Bauten aus dem Übergang der Spätromanik zur Frühgotik. Mauerflächen aus grauem Kalkstein dominieren, der Bauschmuck konzentriert sich auf die Giebelseiten des Querhauses mit den Eingangsportalen, von denen das südliche besonders reich gestaltet wurde.

Im Inneren bedecken kuppelige Kreuzgratgewölbe das Langhaus, beachtenswert ist die Kapitellplastik im Querhaus.

Rund hundert Jahre später plante man einen vollständigen Neubau in hochgotischen Formen. Von diesem ambitionierten Plan wurde der zweijochige Chor mit 5/8-Schluss verwirklicht, dessen Errichtung inschriftlich zwischen 1366 und 1430 erfolgte. Durch seine Höhe und die Verwendung von roten Sandsteinquadern setzt er sich vom Langhaus ab. Die Flächen zwischen den Strebepfeilern sind fast vollständig durch mehrbahnige Maßwerkfenster ausgefüllt. Der Chor gehört zu den kunsthistorischen Höhepunkten Warburgs. Er bietet eine eigenständige hohe und helle Raumeinheit, farblich bestimmt von weißer Quadermalerei auf roter Kalklasur. Besondere Akzente bilden auf halber Wandhöhe die Figuren Mariens und der Apostel, die trotz einer Entstehungszeit zwischen 1380 und 1520 eine erstaunlich einheitliche Gesamterscheinung besitzen.

Einen reichen und in seinen Motiven in Westfalen seltenen Bestand an Bildhauerarbeiten vom Ende des 14. Jahrhundert bieten die beiden Maßwerkrahmen an ehemaligen Sitzen im Chor. Darin integriert finden sich die vier Evangelistensymbole, Fabelwesen und menschliche Figuren; dazu als mahnende Beispiele einer lasterhaften Lebensführung ein eitler Affe mit Spiegel, ein Dudelsack spielender Esel, ein Meerweibchen als lockende Sirene und eine Blattmaske.

Im Chor steht heute ein neugotischer Altar von 1882–89; dieser ersetzte einen Barockaltar, der 1719 nach Entwürfen des wohl bedeutendsten Barockbaumeisters Westfalens, dem aus Nörde bei Warburg stammenden Johann Conrad Schlaun, entstanden war. Als Reste davon blieben die durch einen unbekannten Bildhauer geschaffenen Figuren einer Taufgruppe und zweier Heiliger im südlichen Querhausarm erhalten. Beachtenswerte Ausstattungsstücke sind unter anderem das Triumphkreuz von 1460/80, der Taufstein aus Sandstein von 1598 und die steinerne Kanzel von 1611. Bei einer Sanierung wurden 2004 hinter dem nördlichen Chorgestühl aufgeklebte Totentanzdrucke und das Wandbild mit dem hl. Christophorus entdeckt. Eine Kopie des vermutlich nach 1491 geschaffenen Werkes findet sich neben dem nördlichen Portal.

Ein Blick in die Geschichte…

1036 erste urkundliche Erwähnung der Siedlung. Am Flusstal der Diemel wuchs die heutige Altstadt mit ihrer Schutzburg auf dem Wartberg. Oberhalb wurde auf dem Bergrücken die Warburger Neustadt gegründet. Die Südansicht der Hansestadt Warburg gilt als eine der schönsten Westfalens. Beide zunächst eigenständigen Städte standen im Schutz der Bischöfe von Paderborn. Große Teile der mächtigen Stadtmauer, fünf Wehrtürme und zwei Stadttore, Ende 13. Jahrhundert, sind noch erhalten und prägen das historische Bild Warburgs.

Seine wirtschaftliche Blüte erlebte Warburg durch den Beitritt zum Hansebund im Jahr 1364. Im „groten Breff“ von 1436 beschloss man eine einrätige Verwaltung; gleichwohl sind in Warburg die Doppelstadt-Strukturen bis heute erhalten geblieben.

Einen geschichtlichen Überblick über die Stadtentwicklung erhält der interessierte Bürger im Museum im „Stern. Vom Reichtum der Stadt zeugen heute noch die vielen prächtig verzierten und liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser.