Denkmal des Monats - Juli 2018

Südwestfalen
Zuppinger Wasserrad (Lippstadt)

Lippstadt wurde um 1185 an der Lippe gegründet. Die Lippe war die Lebensader der Stadt: sie diente zur Wasserversorgung, zum Fischfang, als Transportweg, als Barriere gegen Angreifer, zum Gerben von Fellen und vielem mehr.

Ein wichtiger Aspekt war aber von je her auch die Energiegewinnung. Bereits um 1209 wurde an der Burgstrasse die Burgmühle errichtet und mit einem Wasserrad betrieben. Drei weitere Mühlen folgten im 13 Jh., so dass vier Mühlen am Rand der historischen Altstadt die Bürgerinnen und Bürger mit Mehl und Öl versorgten.

Die Besonderheit dieser vier Lippstädter Wassermühlen lag in ihrer paarweisen Anordnung. Zwischen jedem Mühlenpaar lag eine mit Uferschutzbauten gesicherte Insel. Die Unterhaltung der Uferbefestigung und die Regelung der Stauhöhe führten immer wieder zu Streit zwischen den Mühlenbetreibern. Die Lippe selbst unterlag zudem zahlreichen Veränderungen. Ihr Flussbett veränderte sich oder wurde künstlich verändert wie zum Beispiel in der Festungszeit. Hinzu kam, dass das Flussbett im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Ausräumen und Ausbaggern vor allem hinter der Burg- bzw. Stiftsmühle ein stärkeres Gefälle erhielt.

Dennoch wurden die Mühlen über viele Jahrhunderte betrieben.

Die älteste Mühle, die Burgmühle, wurde trotz mehrerer Brände immer wieder neu aufgebaut und dabei ständig modernisiert, so dass sie als letzte der vier Mühlen noch bis zum Jahr 2003 betrieben wurde.

Zu diesem Zeitpunkt lieferte das mächtige Wasserrad längst nicht mehr allein die benötigte Energie zum Betrieb der Mühle, aber zur Unterstützung der Dampfmaschinen und Elektromotoren wurde es bis zum letzten Tag eingesetzt.

Bei dem Wasserrad, dem so genanntem „Zuppinger Wasserrad“ handelt es sich um das einzige noch erhaltene Mühlenrad der ehemals in der Altstadt von Lippstadt vorhandenen Wassermühlen. Es wird nach seinem Konstrukteur, dem Schweizer Ingenieur und Industriellen Walter Zuppinger benannt.

Erbaut um 1860, lieferte das Wasserrad bei gutem Wasserstand bis zu rund 40 PS .

Das „Zuppinger Wasserrad“ ist mit einem Durchmesser von 6,50 m und einer Breite von 2,20 m eines der größten Wasserräder dieser Bauart in Westfalen. Neben den großen Lagerböcken, in denen die Achse der Mühle eingehängt ist, sind zwei kleine Böcke in das statische System des Rades eingebunden. An den großen Lagerböcken konnte die vertikale Lage des Wasserrades durch mächtige Spindeln dem jeweiligen Wasserstand angepasst werden. Die kleineren Böcke dienten dem Fixieren des Rades.

So konnte auch bei geringen Wasserständen die Energie optimal ausgenutzt werden.

Aus denkmalpflegerischer Sicht liegt die besondere Bedeutung des Wasserrades in seiner - für Westfalen sehr seltenen - Bauweise mit tiefschlächtigen Schaufelrädern in Kropfgerinnen.

Aufgrund seiner technikgeschichtlichen Bedeutung für die westfälische Mühlentopografie ist das „Zuppinger Wasserrad“ seit 2000 als Denkmal eingetragen.

Nach zahlreichen Vorgesprächen und Abwägung der Interessen der unterschiedlichsten Projektbeteiligten konnte die Stadt Lippstadt das Wasserrad von dem bisherigen Mühlenbetreiber erwerben und mit einer umfangreichen Restaurierung des Rades beginnen. Anschließend erfolgte das Versetzen des Wasserrades von der Burgmühle an den ehemaligen Standort der Lippischen Mühle am Lippertor.

Dieser Mühlenstandort bot durch den noch vorhandenen Mühlgraben die einzigartige Gelegenheit, die Öffentlichkeit wieder auf die frühere Mühlentradition aufmerksam zu machen. Gleichzeitig kann der Freiraum an der Lippe maßgeblich aufgewertet werden.

Mit der Versetzung des Denkmales können am alten Standort des „Zuppinger Wasserrades“ zukünftig dringend erforderliche abschließende Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert werden.

Durch das große Engagement des Landes NRW, verschiedene Institutionen sowie private Förderer konnte die Finanzierung gemeinsam mit der Stadt Lippstadt im Rahmen eines PPP-Projektes sichergestellt werden. Hauptverantwortlich für die Demontage, Restaurierung und Wiederaufbau des Wasserrades war die Schlosserei Brannekemper aus Lippstadt, die die Maßnahme mit großem Engagement zum Erfolg geführt hat.