Denkmal des Monats - Dezember 2017

Ostwestfalen Lippe
Immanuelstraße 3 - ehemalige Molkerei (Minden)

Die Molkerei wurde am 23. Januar 1888 durch mehrere Gutsbesitzer der Umgebung der Stadt Minden gegründet, um den Absatz der Milch zu steigern.

Das Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Oskar Ziegler für die Mindener Molkerei E.G. vom Bauunternehmen Schmidt & Langen errichtet. Hierbei wurde schon während der Bauphase beschlossen den geplanten siebenachsigen Baukörper zugunsten einer größeren Halle und eines Kühlraumes um drei Achsen zu erweitern.

Das Gebäude in Gestalt eines zweigeschossigen, aufwendig dekorierten Putzbaues unter einem flachen Walmdach passte sich den benachbarten Villengebäuden an. Die nordwestliche Ecke springt etwas hervor und ist auf der Straßenseite als dreiachsiger Risalit unter einem Schwebegiebel gestaltet. Hier befindet sich dann auch im Erdgeschoß der Eingang mit einer zeittypisch kassettierten Tür und einem großen Schaufenster des Milchgeschäftes.

Überhaupt ist das Gebäude mit einer sehr reichen und plastischen Gliederung in Formen der Renaissance versehen. Dies zeigt sich unter anderem in den Gesimsen, Brüstungen und den durch Faschen und durchlaufende Verdachungen gruppierten Fenstern die im Erdgeschoss als Bogenfenster gestaltet sind.

Östlich des Milchladens grenzten die ehemaligen Büro- und Verwaltungsräume an. In der rückwärtigen Halle fand die Milchverarbeitung (Milchannahme, Butterraum, etc.) statt. An diesen Trakt baute man später mehrfach an (Maschinen- und Kesselhaus, etc.). Im Obergeschoss befanden sich Wohnräume und im Kellergeschoss wurden die Molkereiprodukte gekühlt sowie das für die Herstellung notwendige Zubehör gespült.

Nachdem 1951 der Molkereistandort aufgegeben wurde, waren durch die Folgenutzungen als Möbelhaus, Teppichgeschäft, Ballett-  und Fitness-Studio im Laufe der Jahrzehnte immer mehr die architektonischen Qualitäten des zweigeschossigen Putzgebäudes innen wie außen verdeckt worden.

Nach mehrjährigem Leerstand wurde bei der Sanierung durch den jetzigen Eigentümer 2013/14 mit Liebe zum Detail Vieles wieder freigelegt - wie zum Beispiel die preußische Kappendecke und die gusseisernen Säulen in der Milchhalle im Erdgeschoss. Mit wenigen hochwertigen Materialien und schlichten geschmackvollen Einbauten wurde die große Halle als Verkaufsfläche auf zwei Ebenen im Erdgeschoss gestaltet. Im Bereich der ehemaligen Wohnräume im Obergeschoss entstanden Büros für die Geschäftsführung und Besprechungsräume. Der Außenbau erhielt wieder einen einheitlichen hellen Anstrich. Im Bereich der Laderampe für die Milchanlieferung an der Westseite befindet sich heute der barrierefreie Haupteingang des Modehauses, während der Ladeneingang des ehemaligen Milchgeschäftes verschlossen wurde.

Die für die Nutzung als Modegeschäft unabdingbaren Schaufensteröffnungen entstanden, indem man die rundbogigen Fenster im Erdgeschoss an der Immanuelstraße bis auf den Boden herunter führte. Zur  angenehmen Überbrückung von Wartezeit, lädt eine Kaffee- und Wein-Bar im rückwärtigen Bereich die jeweilige Begleitung der Kundschaft  ein.

Um den wieder hergestellten Schriftzug „Mindener Molkerei E.G." nicht zu stören, wurde letztlich eine gut gestaltete Werbeanlage aus Edelstahl-Einzelbuchstaben ganz zurückhaltend auf die Begrenzungsmauer des unmittelbar benachbarten Parkplatzes platziert.