Denkmal des Monats - Oktober 2017

Ostwestfalen Lippe
ev. Kirche Maria im Weinberg (Warburg)

Zusammen mit dem benachbarten früheren Dominikanerkloster (Gymnasium Marianum) gehört die Kirche Maria im Weinberg an der Hangkante über der Altstadt zu den stadtbildprägenden Bauten. Ergänzend dazu rückt die evangelische Gottesdienststätte 2017 durch das Reformationsjubiläum in ein besonderes Blickfeld.

Dass die Evangelischen heute über die älteste Pfarrkirche der Kernstadt verfügen, obwohl die Kirchengemeinde hier erst ab dem 19. Jahrhundert existierte, gehört zu den Besonderheiten der Warburger Geschichte: Eine erste Kirche auf dem zu dieser Zeit wohl noch als Weinberg genutzten Hang war für die Warburger Altstadt vermutlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhundert entstanden. Zwischen 1230 und 1280 erfolgte deren Umbau zur zweischiffigen gewölbten Anlage, die als Kernbau des heutigen Langhauses erhalten blieb. Als der Paderborner Bischof Otto von Rietberg 1281 ein Dominikanerkloster gründete, übertrug er diesem eigenmächtig die Pfarrkirche zur Klosternutzung. Da die Altstädter dagegen heftig protestierten und sich weigerten, zur Messe in die Neustädter Pfarrkirche St. Johann Baptist zu gehen, erhielten sie noch im späten 13. Jahrhundert die Erlaubnis, sich eine eigene Pfarrkirche neu zu errichten. Dies hatte zum Ergebnis, dass es in der heutigen Kernstadt drei mittelalterliche Kirchen gibt.

Die nunmehrige Klosterkirche St. Maria in vinea erhielt zwischen 1342 und 1361 einen hochgotischen Chor. In den Jahrzehnten bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts baute man nördlich des Chors die Sakristei und eine Kapelle an. Die beiden Kirchenschiffe wurde bis 1520 durch Seitenkapellen und eine Vorhalle erweitert. Durch die um die Mitte des 17. Jahrhunderts vollzogene Verbindung dieser Seitenkapellen entstand der ungewöhnliche vierschiffige Grundriss.

Mit dem Übergang Westfalens an Preußen kam es zur Aufhebung des Klosters, die Kirche wurde 1824 der im Aufbau befindlichen evangelischen Pfarrgemeinde als Gottesdienststätte übergeben. In den Jahren 1890-95 vollzog man eine Gesamtinstandsetzung, von der heute noch der neugotische Dachreiter zeugt. Weitere Sanierungen und Erneuerungen erfolgten 1964-66, 1987/88 und 1998-2000.

Der Kontrast zwischen gedrungenem, vierschiffigem Langhaus und hohem, langem Chor verleiht dem Innenraum seine charakteristische Prägung. Die kuppeligen Gratgewölbe in den mittleren westlichen Jochen und besonders die Konsole vor der Westwand mit der Kopfdarstellung und den stilisierten Blüten stellen eindrucksvolle Reste des spätromanischen Kernbaus dar.

Der fünfjochige Chor verfügt über ein Kreuzrippengewölbe mit Schlusssteinen, von denen einer das Relief der Marienkrönung, die anderen Pflanzenornamente zeigen. Gestalterischer Höhepunkt ist der zwölfeinhalb Meter hohe frühere Hauptaltar, 1665 durch den Paderborner Bischof Ferdinand von Fürstenberg gestiftet und 1671 geweiht. Im Hauptgeschoss bietet sich zwischen korinthischen Doppelsäulen das vermutlich durch Carl Ferdinand Fabritius ausgeführte Hauptbild der Aufnahme Mariens in den Himmel. Aus kunsthistorischer Sicht können wir uns glücklich schätzen, dass dieses für eine evangelische Kirche eher seltene Bildmotiv samt dem reich gestalteten Altarretabel erhalten blieb.

An mehreren Stellen im Kirchenraum lassen sich Reste von Ausmalungen verschiedenster Epochen entdecken. Beachtenswerte historische Ausstattungsstücke sind die Sakramentsnische (frühes 15. Jahrhundert), die Marienfigur (Mitte des 15. Jahrhunderts), an deren ursprünglichen Aufstellungsort über dem Eingangsportal heute eine Kopie steht, die zwölf um 1510 aus Lindenholz geschnitzten Apostelfiguren und die Grabplatte für die 1520 verstorbene Mechthildis Russ.

Alle zwei Jahre wird der Kirchenraum in den Sommermonaten für Kunstausstellungen genutzt. So waren 2016 unter dem Titel Communicare über den Kirchenraum verteilt Werke des Künstlerehepaars Ute und Paul Grohs zu sehen.