Denkmal des Monats - September 2017

Ostwestfalen Lippe
Wohn- und Geschäftshaus Hanekamp 16 (Brakel)

Gegenüber dem Torwächterhaus des sog. Hanekämper Stadttores gelegen. Erbaut 1896 im Stil preußischer Bahnbauten durch August Kleinschmidt & Frau Therese geb. Parensen als Ersatz für das von ihm 1882 erworbenen Gebäudes des Schmiedemeisters Lücke.

Fassaden eines zweigeschossigen, L-förmigen Ziegelbaus auf Werkstein-Kellergeschoß unter mit Tonziegeln gedecktem Mansardwalmdach. Südöstliche Gebäudeecke abgeschrägt. Hier war ursprünglich der über ein paar Stufen erreichbare Ladeneingang (beim Umbau 1998 in die Südtraufe verlegt) im Dachbereich Dachhäuschen mit Pyramidendach. Der Verkaufsraum im Erdgeschoß hat zum Hanekamp hin (westlich des Eingangs) vier breite, bis auf das Wasserschlaggesims des Kellersockels heruntergezogene Schaufenster, westlich daneben waren vier Fenster normaler Größe mit Sohlbänken, diese wurden im Zuge der Umnutzung zu Geschäftsräumen nach unten verlängert. Zur Dokumentation des Urzustands jedoch nicht bis zum Kellergesims. Die Fenster des Obergeschosses bauzeitlich erhalten als zweiflügelige Holzfenster mit zweiflügeligen Oberlichtern und Kämpferzonen mit Zahnschnittfries.

Gegliedert wird die Straßenfassade durch einen doppelten gemauerten Gesimsstreifen zwischen Erd- und Obergeschoß sowie durch einen aufwendig gemauerten Arkadenfries mit begleitenden Zierstreifen unterhalb der Trauflinie sowie durch Bänder aus glasierten Ziegeln in der Höhe des Segmentbogenansatzes der Fenster in den beiden Etagen.

August Kleinschmidt handelte mit Haushalts- und Eisenwaren, neben dem Ladengeschäft befanden sich im Erdgeschoß Lagerräume und ein Kontor. Diese Funktionen des Erdgeschosses sind an der Fassade deutlich abzulesen, besonders prägnant ist der für historistische Geschäftsbauten typische, über einige Stufen erreichbare Geschäftseingang an der abgeschrägten Gebäudeecke. Die Familie des Geschäftsmannes wohnte im Obergeschoß,  des Weiteren befand sich im Obergeschoß eine Mietwohnung. Dienstmädchen und Angestellte hatten im Dachgeschoß kleine Kammern. Es werden volkskundliche Gründe für das öffentliche Erhaltungsinteresse angeführt, weil dieses Wohn- und Geschäftshaus in für die Zeit der Jahrhundertwende typischer Art die verschiedenen charakteristischen Funktionsabläufe veranschaulicht. Die Baudetails belegen die solide Handwerksarbeit der Brakeler Mauerer, Zimmerleute und Tischler. Darüber hinaus werden städtebauliche Gründe geltend gemacht, weil dieses stattliche Eckgebäude mit der aufwendigen Fassadengliederung den Bereich des ehemaligen Hanekämper Tores entscheidend mitprägt, insbesondere, da die gegenüberliegende Grünfläche einen Blick auf die gesamte Hauptfassade ermöglicht.

Ende der 1990er Jahre wurde das Gebäude im Besitz der Sparkasse Höxter zum reinen Geschäftshaus umgebaut; die oberen Geschosse nutzt die Sparkasse für Bürozwecke, das Erdgeschoss beherbergt einen Buchladen sowie ein kleines Textilgeschäft.