Denkmal des Monats - Februar 2017

Ostwestfalen Lippe
Wohn- und Geschäftshaus, Am Schliepsteiner Tor 6 (Bad Salzuflen)

Dieses 1924/25 nach dem Entwurf des Salzufler Architekten Carl Hartmann errichtete Wohn- und Geschäftshaus liegt zusammen mit anderen anspruchsvollen Gebäuden an der Parkstraße. Das Gebäude wurde als verputzter Stahlbetonbau unter flach geneigtem Mansarddach mit Pfannendeckung errichtet. Die straßenseitige Fassade ist dreibahnig gegliedert, wobei der mittlere Bereich durch einen bis über die Traufzone reichenden Mittelrisaliten besonders betont ist. Dort befindet sich auch der zurückliegende Geschäftseingang, der von hochrechteckigen, gewölbten Schaufensterscheiben umrandet wird. Die Schaufenster werden durch schlanke Stützen und Rahmenleisten aus eloxiertem Aluminiumblech über einen Sockel mit kleinen quadratischen Fliesen gegliedert.

Das Erdgeschoss wird nahezu vollständig von den Geschäftsräumen eingenommen. In den beiden Obergeschossen liegen großzügige Wohnungen, deren Fensteranordnung die Mittelpartie der Fassade betont. Dieses wird insbesondere durch das Fensterband über den Geschäftseingang mit einer darüberliegenden halbrund schwach hervortretenden Brüstungszone eines Drillingsfensters und einem Dreickecksgiebel unterstützt. In den seitlichen Wandkompartimenten liegen jeweils 2 Fenster in leicht eingetieften Feldern, die durch Gesimsstücke in Höhe der Sohlbänke verbunden sind. Die Fenster im Obergeschoss haben jeweils einen stilisierten Dreiecksgiebel aus Stuck.

Das Areal zwischen dem historischen Stadtkern, der auf eine bereits im 11. Jh. erwähnte Salzstätte zurückgeht, und den nördlich davon im 18. Jh. erbauten Gradierwerken zur Salzgewinnung wurde seit dem späten 19. Jh. entlang des Salzetales für den seit 1818 bestehenden Kurbadbetrieb weiter entwickelt. Mit besonderer Förderung durch das lippische Fürstenhaus entstanden eine qualitätvolle Bäderarchitektur, wie das 1896 eröffnete Woldemarbad,  sowie weitere anspruchsvolle Kurbauten. Es wurden aber auch charakteristische Pensionsvillen mit Loggien als Privathäuser gebaut. Die Anlage von neuen Villenvierteln sollte besonders begüterte bürgerliche Schichten ansprechen.

Das Wohn- und Geschäftshaus belegt die Entwicklung des Kurortes Bad Salzuflen, weil es zusammen mit anderen anspruchsvollen Gebäuden die Phase der planmäßigen Stadterweiterung und der Stadtgestaltung veranschaulicht. Zum Kurleben gehörten nicht nur die Kuranwendungen, sondern auch das Wandeln im Kurpark und das Spazierengehen, weshalb der Magistrat großen Wert auf eine ansprechende Bebauung legte und villenähnliche Privathäuser forderte.

Ursprünglich wurde das Gebäude für den Kaufmann Otto Wessel errichtet. Sein Briefkopf machte Aussagen zum Anspruch des geplanten Geschäftes: „Confection, Manufactur- u. Modewaren. Anfertigung eleganter Straßen- und Gesellschaftskleider". Nach Wessels Tod führte der Textilkaufmann Theodor Hunecke seit 1935 das Geschäft als „Haus für elegante Damenmoden und Strickwaren Th. Hunecke" weiter.

Im Jahre 1939 erfolgten eine Vergrößerung des Lagerraumes im Erdgeschoss sowie ein Anbau mit Umkleidekabinen an der Gebäuderückseite. Das weithin bekannte Geschäft „Th. Hunecke" mit dem „ganz besonderen Ambiente... direkt am Rosengarten", wie eine historische Anzeige wirbt, existierte an diesem Standort bis zur Schließung im Herbst 2013. Nach einem Eigentümerwechsel setzten Überlegungen zur Umnutzung ein, wobei u. a. auch ein Cafébetrieb in Frage kam. Schließlich wurde ein passender Mieter gefunden, der hier wieder ein Bekleidungsfachgeschäft betreibt.

Das Gebäudeinnere ist weitestgehend bauzeitlich erhalten. Der sehr tiefe Geschäftsraum erhält nicht nur durch die Schaufensteröffnungen Tageslicht, sondern zusätzlich durch hoch liegende Fenster der Traufseiten. Die Stahlbetonkonstruktion ist als Deckenkassettierung sichtbar und in die Raumdekoration einbezogen worden. In jedem Deckenfeld hängt ein feingliedriger achtarmiger Kronleuchter. Die Raummitte wird durch einen größeren Kronleuchter mit 16 Armen betont. Die Ausstattung des Modefachgeschäfts besteht aus offenen Wandschränken und Vitrinen sowie Verkaufstheken mit verglasten Auslagefächern und Tischchen, die eine hohe Qualität der handwerklichen Ausführung aufweisen.

Glücklicherweise gehen die Vorstellungen des Mieters an der Warenpräsentation auf die vorgefundene historische Ladeneinrichtung ein. Seit dem Jahr 2014 bietet ein modernes, sehr individuelles Bekleidungsfachgeschäft in diesen Räumen mit seinem aufgefrischten historischen Interieur Damen- und Herrenmode bei nach wie vor „persönlicher Beratung" an - eine gelungene Weiternutzung des Baudenkmals und seiner qualitätvollen Ladenausstattung. Weitere Informationen zu dem Gebäude erhalten Sie auf der Internetseite  http://www.lwl.org/dlbw unter Denkmal des Monats November 2015.