Denkmal des Monats - November 2017

Südwestfalen
Jüdischer Friedhof (Bad Berleburg - Elsoff)

Elsoff hat einen der ältesten jüdischen Friedhöfe Südwestfalens. Dieses Bodendenkmal „Unterm Heiligenberg" blickt auf eine Geschichte bis ins Jahr 1721 zurück.

Jüdische Friedhöfe sind Orte, die in religiöser, kultur- und sozialgeschichtlicher  sowie genealogischer Hinsicht wertvollste Informationen bergen. Sie sind immer auch wichtige Dokumente der örtlichen Geschichte. Von daher ist der hier zur Rede stehende Friedhof bedeutend für seine Gemeinde und die Geschichte des Menschen, für seine Erhaltung liegen wissenschaftliche Gründe in religions-, kultur- und sozialgeschichtlicher sowie in genealogischer Hinsicht vor. Auch volkskundliche Gründe sprechen für den Denkmalwert.

Denkmalwert ist die Friedhofsfläche mit Grabsteinen für jüdische Verstorbene des alten jüdischen Friedhofes an der Straße „Unterm Heiligenberg" in der Stadt Bad Berleburg, Ortsteil Elsoff.

Seit 1765 lebten elf jüdische Familien in Elsoff, das waren 20% der Bevölkerung. Der jüdische Friedhof stand den Gläubigen aus Elsoff, Arfeld, Beddelhausen, Richstein und Schwarzenau zur Verfügung. Zwischen 1822 und 1942 wurde der Begräbnisplatz belegt. Allein für den Zeitraum 1823-1846 führt das Beerdigungsregister 39 Beerdigungen auf. Das Gelände besteht aus einem steilen und einem allmählich ansteigenden Grundstück. Nach den Personenstandsregistern müssen weit mehr Begräbnisse stattgefunden haben, als die über den Friedhof verteilt aufgestellten Grabsteine vermuten lassen. Nachrichtlich sei erwähnt, dass offenbar auch das Gelände wahrscheinlich östlich, vielleicht nördlich der Einfriedung zu dem Friedhof gehörte.

Die frühen jüdischen Friedhöfe lagen - wie andere Friedhöfe nach dem Mittelalter auch - außerhalb der Stadt. Diese Lage lässt sich mit der Weisung erklären, dass sich die Lebenden nicht mit den Toten innerhalb der Stadtmauern aufhalten dürfen. Insbesondere wurden die Grabsteine (Mazewa) nicht nur in hebräischer Sprache beschriftet, sondern auch in der jeweiligen Landessprache. Dies geschah in der Regel auf der Rückseite des Grabsteins. Eine weitere Besonderheit bestand darin, dass auf der hebräisch beschrifteten Seite des Grabsteins nicht nur der Name des Toten selbst genannt wurde, sondern auch der Name seines Vaters. Dies stellt heute für die genealogische Forschung einen unschätzbaren Wert dar.

Als die am häufigsten erhaltenen Selbsterzeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland können die Friedhöfe gelten, von denen in NRW noch gut 2200 vorhanden sind. Der Friedhof ist eine der wichtigsten jüdischen Gemeindeeinrichtungen. In erster Linie vermitteln jüdische Friedhöfe einen Eindruck von der jahrhundertelangen Verwurzelung jüdischer Menschen in Deutschland und von den Schwierigkeiten jüdischen Lebens. Der lange Weg zur Emanzipation und Integration ist auch an der Grabkunst, an den Texten der Inschriften, an der Lage und Größe der Friedhöfe ablesbar. Schließlich ist auch das Ende der Gemeinden, die Ermordung der Menschen in Schoa stets präsent; unbelegte und reduzierte Friedhofsflächen, zerschlagen und zerkratzte Steine, fehlende Inschriften, gestohlene Inschriftentafeln oder auch erinnerungstafeln und Mahnmale für die in den Konzentrationslagern und Ghettos ermordeten Familienangehörigen halten das Andenken an die vielen Menschen wach, die kein würdiges Grab gefunden haben.