Denkmal des Monats - August 2017

Ostwestfalen Lippe
Kavaliershaus (Horn-Bad Meinberg)

Dieses wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Gebäude mit Fachwerk in Jugendstil-Ausprägungen entstand als Nebengebäude einer großbürgerlichen Villa auf dem Schanzenberg, einer bevorzugten Wohnlage nördlich der Kuranlagen von Bad Meinberg. Die dazugehörende Villa, reich gegliedert und ebenfalls mit Jugendstil-Fachwerk, wurde von dem preußischen Graf Leopold zur Lippe-Biesterfeld erworben, der als Nachfolger des Fürsten Alexander 1897als Regent in Detmold eingezogen war. Von dem ehem. großzügig angelegten, weitläufigen Anwesen existieren noch Teile des Parks sowie das sog. Kavaliershaus. Die Villa, später im Volksmund „das Schloß“ genannt, wurde vor einigen Jahren abgebrochen.

Das Kavaliershaus ist ein 35 m langes Fachwerkhaus unter Krüppelwalmdach, welches nur 5,50 m breit ist. Seine Bauform und Lage, mit den nach Süden gerichteten Orangeriefenstern und einer ziemlich geschlossenen Fassade zum Wald hin, ist sehr imposant.Das Begleithaus gliederte sich in Orangerie, Pferdestall und Kutscherhaus.
Im Obergeschoss war ein größerer Raum in Verbindung mit kleinen Dienstbotenzimmern, die über der Orangerie lagen. Nach Osten anschließend das Treppenhaus und Aufenthaltsraum wohl für Kutscher, im östlichen Gebäudeteil befand sich eine Kutscherwohnung über zwei Geschosse.

Die Orangerie wurde seit 40 Jahren von den Gärtnern des Staatsbades als Garage für ihre Trecker, Reparaturwerkstatt und zum Pflanzenziehen benutzt.Im ehemaligen oberen Bedienstetengeschoß überwinterten Schwäne, die Kutscherwohnung ist seit über 60 Jahren vom ehemaligen Gärtner und seiner Frau bewohnt.

Der Pferdestall war Abstellraum für Salz, Rasenmäher, Gartengeräte etc.
2010 wurde das Kavaliershaus vom Ehepaar Filter erworben und in den folgenden 2 Jahren zu einem Wohnhaus umgebaut. Der ehemalige Pferdestall wurde zur Bibliothek, die Orangerie zum Wohnraum und Veranstaltungsraum für kleine Events sowie Ausstellungen. Der Aufenthaltsraum der Gärtner ist heute Küche.
Im Obergeschoß sind Arbeits-, Schlaf- und Gästezimmer untergebracht.

Das Gebäude liegt in der exakten Achse, von dem oberen Bergkurgarten und dem unteren Kurpark mit Brunnentempel. Die davor gelegene Villa Graf Leopold war von dort auch deutlich als Blickachse konzipiert.Heute erinnern nur noch 2 achsial gepflanzte Lebensbäume an die Villa, deren jetzt noch existente große Freifläche sowie die Kutschenrundfahrt nun mittig vor dem Kavaliershaus liegen.


Das Kavaliershaus gehört zur prägenden städtebaulichen Struktur des Kurortes.
Diese Charakteristik mit dem darin mittig gelegenen Kurpark mit Brunnentempel, dem oberen Kurpark und der ehemaligen Villa, bis zum Kavaliershaus sollte als „Spur“ lesbar bleiben.
Der Weg der Bad Meinberger und der Gäste führt hier in den Wald und hinunter in den Ort.Das Gebäude liegt topografisch am höchsten Punkt von Bad Meinberg, der Blick von dort hinunter wurde durch eine halbrunde zinnenartige Mauer, ebenfalls achsial angelegt, manifestiert.

Für die Bad Meinberger und ihre Besucher ist es eines der wenigen älteren Gebäude, welches nicht durch Modernisierungsmaßnahmen in seinem Charakter zerstört wurde.