Denkmal des Monats - Juli 2017

Ostwestfalen Lippe
(Lügde)

Die mit den Traufseiten auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichteten Baudenkmäler „Vordere Str. 1" und „Kanalstraße 1 - 3" befinden sich in städtebaulich exponierter Lage am nördlichen Eingang der Altstadt und parallel dazu im Einmündungsbereich der Vorderen Straße in die Kanalstraße. Die Gebäude stammen aus der Wiederaufbauphase der Stadt nach dem großen Stadtbrand von 1797. Die Lage der Gebäude im Stadtgrundriss - am äußersten Altstadtrand gelegen - sowie der schmale Grundstücks- und Gebäudezuschnitt dokumentieren die gering bemittelte Bauherrenschaft; im Volksmund auch als „Armenhäuser" der Stadt bezeichnet.

Bei dem Baudenkmal „Vordere Str. 1" handelt es sich um ein ehemals zweigeschossiges, dreiachsiges Satteldachgiebelhaus in der für Lügde typischen Form eines Fachwerkackerbürgerhauses mit Längsdeele.  Das inzwischen zur Haupteingangstür umgestaltete ehem. Deelentor unter dem zweifach vorkragendem Giebelschild dokumentiert inschriftlich das Baujahr 1798. Der rückwärtige Wirtschaftsteil ist nochmals quer erschlossen. Unter Wahrung wesentlicher charakteristischer Gebäudeeigenschaften erfolgte Anfang der 1980-er Jahre eine Sanierung des Gebäudes incl. Erneuerung der Dachfläche mit Gaubeneinbau zwecks Optimierung der Wohnzwecke bei gleichzeitiger Nutzungsänderung mit Einbringung einer gewerblichen Nutzungsmöglichkeit im ehemaligen Deelenbereich des Erdgeschosses.

Eines der wenigen Satteldachtraufenhäuser als Fachwerkquerdeelenhaus verkörpert  das unmittelbar angrenzende Baudenkmal „Kanalstraße 1 - 3". Ein vermutlich später geteiltes und zum Wohnhaus umgebautes Gebäude mit dem ursprünglichen Deelentor in der Hausmitte. Auch hier ist die Stadtmauer in die komplette Gebäuderückseite der unteren Etage integriert. Ende der 1980-er Jahre wurde auch dieses Gebäude incl. Dachfläche saniert und mittels Gaubeneinbau eine Optimierung der wohnwirtschaftlichen Situation im Obergeschoss erreicht.

Zusammen mit den weiteren, rückwärtig gelegenen Baudenkmälern „Kanalstraße7" und dem Wehrturm „Im Winkel" bildet diese Gebäudezeile die äußere Begrenzung und Sichtachse im nord-östlichen Innen- und Außenbereich der mittelalterlichen Stadtbefestigung Lügdes.