Denkmal des Monats - Juni 2017

Ostwestfalen Lippe
Fachwerkgebäude "Räkers Leibzucht", Brakelsiek (Schieder-Schwalenberg)

Das historische Fachwerkhaus in Brakelsiek wurde als Altenteil des sogenannten „Kotthofs" im Jahre 1616 von Samuel Thorlor und seiner dritten Ehefrau Margareta Thoren erbaut. Dies bezeugt eine kunstvolle und damals übliche Inschrift über der Eingangstür: „SAMUEL THORLOR ° MARGRETA THOREN ° ME FIERI ° FECERUNT ° ANNO DOMINI 1616"

Bereits zwei Jahre später hatte das Gebäude mit den widrigen Umständen des beginnenden 30jährigen Krieges zu kämpfen. Das Gebäude selbst konnte zwar den schweren Zeiten trotzen, über die Bewohner aber brach eine tiefe Krise herein. 1708 schrieb Wiedemeyer, einer der nächsten Inhaber, dass seine Vorgänger den „Kotthof" innerhalb von etwa 30 bis 40 Jahren in derart tiefe Schulden gewirtschaftet hatten, dass sich die Hofstätte und die Ländereien größtenteils in den Händen der Gläubiger befanden. Die Gebäude wurden teils verkauft oder verfielen sogar. Zuvor bezeichnete Schonheim als direkter Nachfolger des Erbauers Thorlor 1661 die Stätte schon als „verödetes und verlorenes Köttergut".

Das Gut wurde 1738 in die Herrschaft der Paderborner Domäne Schwalenberg übergeben und bekam mit Friedrich Kopp einen neuen Eigentümer. Aber auch dieser neue Eigentümer, der im Kirchenbuch als „paderbornischer Oberförster" bezeichnet wird, ging, nachdem er den Wiedemeyer's Hof übernommen hatte, im Jahre 1744 in Konkurs. Die Hofstätte wurde erneut verkauft.

Nach dem Tod des Nachfolgers, H. Eggert, übertrug die bischöfliche Kammer im Jahre 1802 den immer noch stark verschuldeten Besitz an den damaligen Gemeinderichter Johann Heinrich Räker.

Mit diesem Besitzerwechsel in die Hände der Familie Räker, die über viele Jahrzehnte das Richteramt in Brakelsiek innehatte, verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des „Kotthofs". Johann Heinrich Räker konnte sogar für seine Familie im Jahre 1807 einen sogenannten „Freibrief" erwirken, was einen Abkauf der Leibeigenschaft aus dem Bistum Paderborn bedeutet.

Im Jahre 1850 hat Johann Heinrich Räker neben dem vorhandenen Leibzuchtsgebäude gemeinsam mit seinem Sohn darüber hinaus noch ein weiteres Bauernhaus errichtet.

In der Zeit zwischen 1876 und 1936 lagen auch die Aufgaben des Standesamtes in den Händen der Familie Räker, die ihren Amtssitz in dem Leibzuchtsgebäude eingerichtet hatte. Die Familie Räker wurde im Jahr 1901 sogar für ihre langjährige Tätigkeit im Standesamtswesen vom damaligen lippischen Fürsten mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Im Besitz der heutigen Eigentümer befinden sich verschiedene historische Dokumente und Gegenstände. Aus der Amtszeit der Familie Räker befinden sich darunter beispielsweise noch ein Quittungsbuch aus der Zeit von 1776 bis 1889, sowie die Urkunde des lippischen Fürsten und ein Hochzeitstaler.

Auch der Übergabevertrag des „Kotthofs" aus dem Jahr 1802 ist heute noch vorhanden. Das ansehnliche Gebäude „Leibzucht" selbst stand bereits im Fürstentum Lippe seit 1924 unter Denkmalschutz.

Der letzte Nachkomme der Familie, Fritz Räker, verstarb im Jahre 1980 kinderlos. Als Erbin übernahm dessen Nicht Elisabeth Frevert die Hofstätte. Im Jahre 1987 überschrieb Elisabeth Frevert den Hof auf den heutigen Eigentümer, ihren Sohn Hermann Frevert, jun.

Das Denkmal wurde im Jahre 1989 durch Hermann Frevert von innen und außen umfassend saniert. Im Rahmen dieser Sanierung wurde ein erstaunlicher Fund unter einer Fußbodenplatte im Keller gemacht. Man fand einen „Klumpen Metall", der sich im Nachgang als mehrere historische Münzen und ein Siegelring herausstellte. Diese Gegenstände wurden durch das Lippische Landesmuseum aufgearbeitet und sind nun im Besitz der Familie Frevert zu bewundern.

Im Jahr 2014 bekam das Gebäude zudem einen neuen Anstrich. Diese beiden Sanierungsmaßnahmen konnten durch den Eigentümer jeweils mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe und der Stadt Schieder-Schwalenberg durchgeführt werden.

Zum 400-jährigen Jubiläum des Gebäudes wurde im Juni 2016 eine Feier abgehalten, zu der der Eigentümer das Gebäude voller Stolz präsentieren konnte.