Denkmal des Monats - Mai 2017

Ostwestfalen Lippe
Hans Manegold, Marktstraße 15 (Höxter)

Höxter als östlichste Stadt Nordrhein-Westfalens liegt im Zentrum des landschaftlich sehr reizvollen Weserberglands direkt an der Weser. Eine topographisch ansprechende Lage mit Einbettung in der Flussniederung und umgebenden Höhenzügen des Solling auf niedersächsischer Seite und des Brunsberg, Bielenberg und Räuschenberg im Westen und Norden zeichnet die Siedlung aus.

Höxter war im Hochmittelalter eine der ältesten und größten Städte Norddeutschlands. Mehrere günstige Rahmenbedingungen führten zu dieser positiven Entwicklung. Die nahezu hochwasserfreie Lage in der Weserniederung an der Einmündung eines westlichen Zuflusses bildete eine der geographischen Grundvoraussetzungen. Zwei der wichtigsten Handelswege kreuzten sich hier: In west-östlicher Richtung verlief der sog. Hellweg, eine bedeutende Heer- und Handelsstraße. Bei Höxter querte diese Route den in nord-südlicher Richtung verlaufenden Weser-Handelsweg (auch als Bremer Straße bezeichnet). In der Folge entwickelten sich sehr früh feste Weserübergänge (nachgewiesene Brücke bereits 1115). Auch die Gründung der nahegelegenen Reichsabtei Corvey im 9. Jahrhundert, von der UNESCO inzwischen als Weltkulturerbe ausgezeichnet, war von äußerster Wichtigkeit für die Region und strahlte weit darüber hinaus. Innerhalb der Stadt befanden sich an den Achsen der Handelswege viele Steinhäuser aus gotischer Zeit und renaissancezeitliche Fachwerk-Bürgerhäuser. Es handelte sich um bevorzugte Wohnlagen in der Stadt; hier wurde repräsentativ gebaut. Sehr viele dieser Häuser sind noch heute erhalten.

Marktstraße 15

ist ein Beispiel für eines der existenten repräsentativen Gebäude an diesen Straßenzügen. Bei dem in sehr zentraler Lage und in städtebaulich wichtiger Position gelegenen Baudenkmal handelt es sich aber nicht um ein überkommenes Beispiel aus spätmittelalterlicher oder frühneuzeitlicher Epoche, sondern um einen Nachfolgebau eines solchen, 1890 abgebrochenen Hauses. Gestalt und Größe des Vorgängerbaus sowie die Gründe für dessen Entfernung konnten archivalisch nicht mehr nachvollzogen werden; es ist jedoch bekannt, dass es sich um ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1594 handelte.

Das große, dreigeschossige Haus direkt gegenüber dem Marktplatz und neben der Kirche St. Nikolai befindet sich in einer Ecksituation zweier Straßen und weist daher eine hervorragende städtebauliche Stellung auf.

Es wurde von der Familie Manegold im Jahre 1891 in massiver Bauweise errichtet; der Entwurf entstammt dem in Höxter seinerzeit renommierten und gut beschäftigten Bauführer Krekeler. Heinrich Krekeler, 1834 in der Weserstadt geboren, beschäftigte sich nur zu Beginn seines Schaffens mit der Errichtung von Fachwerkgebäuden; zunehmend entwarf und errichtete er für wohlhabende Bürger massive, bedeutende Bauten mit repräsentativem Anspruch in der Altstadt und in den neu angelegten angrenzenden Straßen.

So auch im vorliegenden Fall: Krekeler plante in einer Nachbarschaft von ausschließlich renaissance- und barockzeitlichen Fachwerkhäusern ein großes, massives Gebäude, welches sich durch sein Volumen, die Gestaltung und dominante Kubatur deutlich und bewusst aus der Umgebung hervorhebt, sich also nicht den Möglichkeiten einer städtebaulichen Einfügung öffnet.

Die 1985 vorgenommene Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Höxter bescheinigt dem Gebäude eine stilistische Orientierung an den Palazzi der italienischen Renaissance. Dieser Bau „demonstriert den Repräsentationswillen der damaligen Zeit, ohne eine eigenständige Formensprache zu entwickeln".

In der Tat sind in den ausgeführten aufwendigen stucktechnischen Gestaltungen und Zierformen der beiden Gebäudeschauseiten Rückgriffe auf Vorbilder aus früheren Bauepochen zu sehen. Die historistische Gebäudehülle ist gekennzeichnet durch eine strenge Gliederung durch Gesimse und Lisenen, eine Balustrade am fassadenseitigen Abschluss des flachgeneigten Daches, einen Erker in der Mittelachse der Ostseite, runde kleine Fensteröffnungen (sog. Okuli) in Höhe des Dachbodens. Die Sockelzone weist eine Rustizierung auf, d. h. die im Verputz angedeutete Quaderung besitzt eine durch ihre große Breite prägende Verfugung. Gleiches gilt für die Ausführung der lotrechten Gebäudeecken und Lisenen. Alle Fensteröffnungen und der Erker sind mit Stuckaturen aufwendig gerahmt und mit Dreiecks- oder Segmentbogenbekrönungen überdacht. In der langgestreckten Nordfassade sind mehrere Kartuschen mit Medaillons und figürlichen Halbreliefs zu finden. Eine Seltenheit sind die erhaltenen profilierten gestanzten Zinkblechschürzen vor den Fensterstürzen, welche die früheren Jalousiekonstruktionen optisch verdeckten und vor Witterungseinflüssen schützten.

In der weitgehend durch Fachwerkbauten der unterschiedlichen Epochen geprägten Altstadt Höxters bildet das Haus Manegold eine stilistische Besonderheit. Das Gebäude wurde von der Familie von Beginn an gewerblich genutzt (Schwerpunkte Drogerie, Parfümerie, Fotofachgeschäft, Kosmetik) und wurde wiederholt renoviert und den jeweiligen Anforderungen angepasst. 2016 feierte das Familienunternehmen sein 125-jähriges Jubiläum.

Bei einer letzten größeren Maßnahme 2007 wurde die Erdgeschosszone der beiden Straßenfassaden unter denkmalpflegerischen und stadtgestalterischen Gesichtspunkten vorteilhaft rekonstruierend umgestaltet.