Denkmal des Monats - April 2017

Ostwestfalen Lippe
Süsterhaus, heute Stadtarchiv (Lemgo)

Der in seiner Form auch heute noch als Kapelle erkennbare kleine spätgotische Bruchsteinbau weist auf das ehemalige Augustiner-Kanonessen-Kloster (St. Maria ad angelos, Maria tor Engelhues) hin.

Das Kloster (Susterhuis) selbst erstreckte sich an der Stelle der heutigen sogenannten „Lehrerhäuser" (Rampendal 20-28). Es entstand 1448 durch Umwandlung des Rampendaler Beginenkonvents (Gemeinschaft von Laienschwestern) in ein Nonnenkloster. Eine erste Kapelle des Klosters ist nachweisbar um 1460. Bei dem vorhandenen Bau handelt es sich um den Neubau von 1504, der um 1507 geweiht wurde, worauf die Datierung der Wetterfahne (siehe Abb. Vorderseite) hinweist.

Nach der Anordnung der Strebepfeiler erscheint der ursprüngliche Bau in seinem Grundriss als einschiffige Anlage mit zwei querrechteckigen Jochen und 5/8 Abschluss. Das Innere hat eine Länge von 16,90 m, eine Breite von 8,25 m und eine Mauerhöhe von 9,20 m. Außen sind an den zehn zwei-fach abgetreppten und oben abgeschrägten Strebepfeilern und dem spitzbogigen Westportal etliche Steinmetzzeichen aus der Bauzeit erhalten.

Nach der Reformation (1533 wurde eine ev. Kirchenordnung durch die Stadt übernommen) bestand das Kloster weiter, ohne neue Mitglieder aufzunehmen. In angemieteten Räumen wurde hier ab 1560 die erste Lemgoer Druckerei unter Beteiligung des Lateinschulrektors Bernhard Copius eingerichtet. 1576 starb die letzte Nonne Katrina Gostinges, worauf eine Inschrift am Strebepfeiler an der Nordwest-Ecke (siehe Abb.)  hinweist. Die Inschrift darüber bezeugt die Grabstätte des letzten Priesters des Klosters, Hermann Seger.

Anschließend erfolgte ein dreigeschossiger Durchbau der Kapelle mit eingreifenden Veränderungen des Äußeren und Inneren. Aus dieser Zeit stammen auch die heutigen Fensteröffnungen. 1583 zog das Gymnasium in die ehemaligen Klostergebäude ein: Die an die Straße grenzenden Häuser dienten als Wohnhäuser der Lehrer und im Süsterhaus waren die Klassenzimmer untergebracht.

1872 zog das Gymnasium um in den Lippehof und ab Ostern 1873 nutzte die Höhere Töchterschule das ehemalige Kapellengebäude, bis auch sie 1911 ein neues Gebäude in der Primkerstraße bezog. In der Folgezeit diente das Gebäude als Wohnhaus, zuletzt dem Lehrer und nebenamtlichen Archivar Heinrich Möller-Friedrich, der das Gebäude 1938 vom Land Lippe erworben und eine Etage der Stadt als Archiv überlassen hatte. Nach dem Kauf wurde das Innere umgebaut und die drei Geschosse erhielten Betondecken.

Im Jahr 1986 erwarb die Stadt Lemgo das Gebäude von den Erben der Familie Möller-Friedrich. Anschließend wurde bis 1990 das Äußere des Gebäudes von Grund auf saniert und es erhielt einen hellen Putz. Das gesamte Innere wurde zu einem modernen Archiv ausgebaut. Hier lagern die auf Dauer aufzubewahrenden Bestände, Zeitungen und die alte Gymnasialbibliothek.

Quellen: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 49. Band (Gaul/ Korn) 1983; Baudenkmale im Historischen Stadtkern (Alte Hansestadt Lemgo) 2008; Homepage des Stadtarchiv Lemgo: http://www.stadtarchiv-lemgo.de/geschichte/