Denkmal des Monats - April 2017

Südwestfalen
Rathaus Eversberg von ca. 1750 (Meschede - Eversberg)

Beim alten Rathaus Eversberg handelt es sich um einen prachtvollen eingeschossigen Fachwerkbau über hohem massivem durchfenstertem Untergeschoss.

Zur übergiebelten Eingangstür in der Mitte der Traufseite führt eine geschwungene doppelläufige Freitreppe von 1929.

Der Bau selbst dürfte um 1750 entstanden sein.

Die Eingangstür wird von zwei Trophäen flankiert: Links befindet sich ein Wildschweinkopf mit der Inschrift: ANO 1764 DEN 27ten January IST DIESES SWEIN VON DEN EVERSBERGER GEFANGEN. Rechts befinden sich Hirschläufe und ein Geweih mit der Inschrift: DIESES HIRCH IST VON UNSERE BÜRGEREN IM FEBRUARI IN UNSERER DRÜERMARCK GESCOSSEN UND GEFANGEN UND DIE GEWICHTER AN UNS RATHAUS GENEGELT WORDEN: EVERSBERG 23 FEBR. 1769.

Bei dem Dach handelt es sich um ein sehr malerisches Mansardwalmdach mit Dachausbauten als Dachhäuschen. Die Schwellhölzer und Eckständer sind beschnitzt und farbig gefasst.

Heute beherbergt das alte Rathaus das Kirchenarchiv und einen Konferenzsaal, der bis zur kommunalen Neugliederung 1974 dem Rat der Stadt Eversberg für die Ratssitzungen zur Verfügung stand. Auf Wunsch werden in dieser historischen Kulisse Eheschließungen vom Standesamt der Kreis- und Hochschulstadt Meschede angeboten.

Ein Blick in die Geschichte

Eversberg liegt auf einem bewaldeten Bergkegel am Rande des Arnsberger Waldes mitten im Sauerland. Seit 1975 ist Eversberg Ortsteil der Kreis- und Hochstadt Meschede. Im 12 Hektar umfassenden Ortskern leben rund 700 Menschen.

Der Ort selbst geht zurück auf eine Gründung Graf Gottfrieds III. von Arnsberg, im Jahr 1242.

Burg und Stadt entstehen auf einem Bergkegel nach dem Vorbild der "Lippischen Dreistraßenanlage".

Mit der Gründung der Stadt und ihrer wehrhaften Befestigung wollten die Grafen von Arnsberg ihr Territorium stärken, das nahezu komplett von den Besitzungen des mächtigen Erzbischofs von Köln umgeben war.

Von der einstigen Befestigung sind heute nur noch die Ruine des Bergfriedes, die daran anschließenden Grundmauern und ein Turmstumpf zu sehen, den man auch besteigen kann.

In der Zeit der Gründung fällt auch der Bau der Eversberger Stadtkirche im Übergangsstil zwischen Romantik und Gotik. Bereits 1247 wurde die Stadtkirche von Erzbischof Konrad von Köln zur Pfarrkirche "Sankt Johannis evangeliste" erhoben. Noch heute bietet die Kirche mit ihrem mächtigen Turm und ihrer prächtigen Innenausstattung ein typisches Beispiel für "Sauerländer Barock".

Das 17. und 18. Jahrhundert bedeuten für das Sauerland und damit auch für Eversberg unruhige Zeiten. Der Dreißigjährige Krieg bringt vagabundierende Soldaten in die Stadt. 1635 wird die prächtige Pfarrkirche von Landsknechten geplündert. 1668/69 wütet die Pest in Eversberg. Wie in vielen Orten des Sauerlandes errichten die Bewohner zu Ehren Gottes und zur Verschonung von der Pest eine Kapelle, die Rochuskapelle.

Mit dem Herzogtum Westfalen fiel Eversberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts für kurze Zeit an das Großherzogtum Hessen. 1815 wurde das ganze Sauerland im Rahmen der Beschlüsse des Wiener Kongresses preußisches Staatsgebiet.

Die wirtschaftliche Entwicklung Eversbergs war seit jeher von der Landwirtschaft geprägt. Flachs und Schafwolle wurden in Heimarbeit verarbeitet, ehe Mitte des 19. Jahrhunderts Tuchfabriken entstanden.

Solche Betriebe gibt es heute nicht mehr, auch Landwirtschaft ist heute im Ortskern kaum noch vorhanden. Neben Wohnen gibt es einige touristische Nutzungen.