Denkmal des Monats - September 2017

Südwestfalen
Historisches Amtshaus Hüsten (Arnsberg)

Am Tag des offenen Denkmals 2015 wurde das zum Wohnobjekt umgebaute Baudenkmal „Amtshaus Hüsten" im Beisein der neuen Bewohner und vieler Gäste feierlich eröffnet. Die Revitalisierung dieses Gebäudes mit seinen Freiflächen ist ein wichtiger städtebaulicher und baukultureller Beitrag für den Ort, der den vorhandenen Stadtraum hebt und das historische Amtshaus wieder zu einem prachtvollen Bau im Stadtbild werden lässt. Dabei wurde zeitgemäßer, attraktiver Wohnraum in einem außergewöhnlichen Ambiente geschaffen, was auch der langfristigen Erhaltung der denkmalgeschützten Bausubstanz dient.

Zur Vorgeschichte: im Jahr 1837 wurde ein eigener Verwaltungsbezirk mit dem Amtssitz in Hüsten eingerichtet und am 07.08.1909 eine Baukommission für den Bau eines Amtshauses in Hüsten gebildet. Diese forderte den Kreisbaumeister Vockrodt (Arnsberg), den Architekten Lücke (Paderborn) und das Büro Lübke - Architekt - Atelier für Architektur (Berlin) auf, Entwürfe für das „Amtshaus Hüsten" inklusive einer ersten Kostenübersicht bis zum 09.10.1909 einzureichen. Bereits am 16.10.1910 wurde der Neubau nach dem Entwurf des Architekturbüros Lübke feierlich eingeweiht.

Es entstand ein bedeutendes und ausdrucksstarkes Gebäude, das fortan als administrativer Mittelpunkt des Amtes und als architektonische Visitenkarte Hüstens diente. Der vom Jugendstil beeinflusste und in Neurenaissanceformen geprägte Baukörper kehrt seine Funktion nach außen und symbolisiert so die schon seinerzeit geforderte Transparenz und Offenheit. Nicht nur hierdurch wurde das Amtshaus zum Wahrzeichen der damaligen Stadt Hüsten. Es wirkt heute noch auch durch seine einprägsame Dachlandschaft als Landmarke im städtebaulichen Kontext.

Architekt Lübke berücksichtigte in seinem Entwurf die städtebaulichen Gegebenheiten und rückte das Gebäude mit seiner allseitigen repräsentativen Architektur bewusst von der Straße ab. Denn die ursprüngliche, aufgelockerte, wie an einer Perlenkette aufgefädelte Bebauungsstruktur mit Stadtvillen und Gesellenhaus ermöglichte auch damals schon ein exquisites Leben an einem besonderen Ort.

Somit entwarf der Architekt nicht nur das Gebäude inklusive der Inneneinrichtung bis hin zu den Wandoberflächen, sondern er gestaltete auch den Außenraum mit Brunnen, Wegen, Pflanzen und Einfriedungen für eine Parkanlage. Dies war zu jener Zeit nicht unüblich.

Es ist ein Gebäude entstanden, das beispielhaft für seine Erbauungszeit steht, regionale Gegebenheiten berücksichtigt und insgesamt auch heute noch die architektonischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkennen lässt. Diese Besonderheiten konnten auch die zahlreichen nutzungsbedingten baulichen Veränderungen nicht zerstören. Denn das Gebäude verlor mit der 1975 erfolgten kommunalen Neugliederung seine zentrale administrative Funktion. Ab jetzt wurde das Gebäude bis 2013 als zusätzlicher Verwaltungssitz der Stadt Arnsberg genutzt und entsprechend umgebaut bzw. nach den Plänen des Architekten René Strauss (Neheim-Hüsten) erweitert.

Die Stadt Arnsberg verkaufte das 1983 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude im Jahr 2014. Bereits im Vorfeld wurde den späteren Erwerbern die Möglichkeit „Wohnen im Historischen Amtshaus Hüsten" aufgezeigt. Allen Beteiligten war klar, dass die Wohnnutzung aufgrund der historischen Bausubstanz eine besondere Architekturaufgabe darstellen würde. Dabei sind infolge der Fassadengliederung und der flexiblen, offenen Grundrissstruktur mit mehreren Treppenhäusern vielfältige Grundrissvarianten möglich. Die vorhandenen baukonstruktiven, statischen sowie bauphysikalischen Grundlagen, aber auch die Gebäudeausrichtung im städtebaulichen Kontext, stellten einen klaren Rahmen dar, ließen aber hinreichend Flexibilität. Aufgrund des architektonischen Potenzials entschieden sich die neuen Eigentümer mit ihrer Architektin Raffaela Hoffmann (Meschede) für eine behutsame, moderate Sanierung und zeigten so auch Verständnis für die Anforderungen an die denkmalgeschützte Substanz.

In allen Geschossen wurden die Grundrisse auf ihre ursprünglichen Raumkonzeptionen und Kubaturen zurückgebaut und durch geringe Eingriffe für ein modernes, innovatives Wohnen umgestaltet. Zum Beispiel wurde der ursprüngliche Sitzungssaal in seiner Pracht und Schönheit wieder hergestellt. Er dient heute als offener Wohnraum mit Küche und Essplatz. Seine Wirkung innerhalb der Fassadengestaltung bleibt erhalten und zeigt somit auch weiterhin den besonderen historischen Raum auf. Insgesamt haben die Fassaden des historischen Baukörpers ihre ursprüngliche Strahlkraft zurückerhalten.

Es wurde ein „Haus-im-Haus-Konzept" gestaltet, welches nicht nur eine individuelle, spannende und attraktive Nutzung der Räumlichkeiten ermöglicht, sondern auch eine klare Adressbildung darstellt. Das zeitgemäße Wohnkonzept sieht aber auch Begegnungs- und Gemeinschaftsbereiche vor. Im natürlich belichteten und belüfteten Kellerbereich wird für die Bewohner ein Gemeinschaftsraum vorgehalten, der auch für Feierlichkeiten genutzt werden kann.

Für jede Wohneinheit wurde ein Freisitz an der Westfassade errichtet. Dies erhöht nicht nur die Attraktivität der einzelnen Wohnungen, sondern ermöglicht auch eine deutliche Verschmelzung von Freiraum und Wohnraum.

Auch die Büroraumerweiterung aus den 1970er Jahren wurde in das Wohnkonzept einbezogen. Hier wurden Appartements geschaffen, die ein "offenes Wohnen" ermöglichen. Die heutige Fassadengestaltung orientiert sich am historischen Amtshaus und am baulichen Bestand der herausragenden Nachbarbebauung mit Gesellenhaus und Stadtvillen.

Die in der Vergangenheit in einem „Dornröschenschlaf" befindlichen Freiflächen wurden gärtnerisch gestaltet und den zukünftigen Bewohnern als Gemeinschaftsgarten zur Verfügung gestellt. Hierdurch kann die einst von Lübke als Parkanlage gestaltete Freifläche weiterhin als großflächige, zusammenhängende Grünanlage begriffen werden.

Die Historie des „Amtshaus Hüsten" zeigt beispielhaft auf, dass Gebäude im Laufe ihrer Zeit unterschiedlichste Nutzungen erfahren können und hierfür oftmals auch baulich angepasst werden müssen. Im heutigen Erscheinungsbild erkennen wir noch die ursprünglichen, hauptsächlich administrativen Funktionen, sehen aber auch die baulichen und funktionalen Veränderungen. Die Realisierung des neuen Nutzungskonzeptes zeigt deutlich auf, dass Bauen im historischen Gefüge interessante, eigenständige Möglichkeiten bereit hält und diese für die Nutzer sehr attraktiv und innovativ sein können, wenn die historischen Vorgaben akzeptiert und herausgestellt werden.