Denkmal des Monats - Juli 2017

Südwestfalen
Ehem. Haus (Freudenberg)

Das Haus Oranienstraße 31

Zur Geschichte des Hauses:

Johann Peter Stahlschmidt wurde am 18. Juli 1751 als ältester Sohn von Hans Stefan Stahlschmidt (1708-1763) und Anna Waffenschmidt (1728-1762) in Plittershagen geboren. Er erlernte zuerst das Schlosserhandwerk, bevor er 1774 im Alter von 23 Jahren in Siegen bei dem Uhrmachermeister Johann Georg Spies als Lehrling unterkam. J. P. Stahlschmidt legte seine Gesellenprüfung 1777 ab und war bis 1781 auf Wanderschaft (auch „Walz“ genannt).

1781 eröffnet J. P. Stahlschmidt in Freudenberg, Oranienstraße 31, seine eigene Werkstatt. Am 12. November 1781 konnte er seine erste Uhr fertigstellen und an Johann Möller in Ferndorf für 28 Taler verkaufen.

Stahlschmidts Bauweise ähnelte den Neuwieder Uhren und weist eine sehr hohe Ähnlichkeit mit den von Spies gefertigten Uhren auf. Die Uhrengehäuse, die von ortsansässigen Schreinern gefertigt wurden, waren meist aus Eichenholz. Zwischen 1815 und 1820 war auch Kirschbaum sehr beliebt.

Eine ganze Reihe von Stahlschmidt-Uhren sind im Dachgeschoss des Freudenberger Mittendrin-Museums (Mittelstraße 4 - 6) zu besichtigen. Auch das Exemplar, das heute als die „komplizierteste erhaltene Siegerländer Uhr“ gilt und von Stahlschmidt 1798 gefertigt wurde, ist im Freudenberger Museum zu bewundern. Sie zeigt auf zwei Zifferblättern die Zeit gleichzeitig an (Janus Uhr). Die Uhr stand in Stahlschmidts Haus und galt offensichtlich als Normaluhr im „Alten Flecken“, nach der die Zeit der anderen Uhren eingestellt wurde. Der Uhrmachermeister blieb bis zu seinem 76. Lebensjahr dem Handwerk treu und bildete auch die Uhrmacher Johann Heinrich Gräff (1783-1860) und Johann Friedrich Müller (1813-1888) aus.

Im Jahre 1827 übernimmt der zweitjüngste Sohn Tillmann Stahlschmidt die väterliche Uhrenwerkstatt. In der nächsten Generation wird die Familientradition durch Ewald Krämer (1863-1938), einem Enkel Tillmann Stahlschmidts fortgesetzt, der als Uhrmacher in Freudenberg tätig war. Entsprechend wird diese Krämer-Linie in jener Zeit „Tick-Tack“ genannt.


Zum Baukörper:

Der ursprünglich zweigeschossige Baukörper hatte einen Rechteckgrundriss mit Traufe zur Oranienstraße, der durch einen rückwärtigen Anbau auf der ganzen Hauslänge erweitert wurde. Der Ladeneingang ist über Eck an der Nordwestecke des Hauses, der Hauseingang liegt im Anbauteil auf der westlichen Seite. Ein altes Stallgebäude im Südteil des Grundstücks wurde wegen Baufälligkeit abgerissen.

Durch den späteren Anbau sind ein neuer Hauseingangsflur und zwei weitere Räume angegliedert worden. Das Dachgeschoss war größtenteils ausgebaut.

Die Dachkonstruktion des alten Teiles und der im Fachwerk sichtbare Ostgiebel, dessen Giebeldreieck nur waagerechte und senkrechte Hölzer aufweist, belegen die Erbauungszeit im 17. Jahrhundert. Der Anbauteil mit dem mansardenartigen Dach ist in seinem heutigen Erscheinungsbild und inneren Ausbau das Ergebnis mehrerer Bauphasen im 19. und 20. Jahrhundert. Ähnliches gilt für das Zwerchhaus an der Nordseite aus dem 19. Jahrhundert.

Der ursprüngliche Uhrmacherladen wurde in der Vergangenheit als Foto-Drogerie-Laden von verschiedenen Pächtern genutzt und immer wieder baulich verändert.

Im Jahr 2004 fand ein Eigentumswechsel statt. Die neuen Eigentümer betreiben eine Gastronomie im ehemaligen Uhrmacherladen.

In der kürzlich abgeschlossenen Sanierung wurde aufwendig die bestehende Dachkonstruktion statisch ertüchtigt und der vorhandene Wohnraum mit historischen Baustoffen saniert. Die Wände wurden mit Holzfaserplatten gedämmt und mit einem Lehmputz verkleidet. Teilweise wurden Wandheizungen eingebaut. Türen und Fenster wurden aufgearbeitet beziehungsweise nach historischen Vorbildern erneuert. Die aus Lehmgefachen bestehende Nordfassade musste in 2016 im Bestand gesichert und saniert werden, da die Gefahr von Beschädigung bestand.

So entstand, in Zusammenarbeit mit dem Architekten M. Petruzziello, Fachfirmen und viel Eigenleistung der Eigentümerfamilie ein einmaliger Wohnraum, mit einem einzigartigen Blick in die Oranienstraße.

Verwendete Literatur und Quellen:

4 Fachwerk Mittendrin Museum, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Stadt Freudenberg, Kultur- und Touristikbüro, I.Fowler Siegerländer Uhrmacher (www.historische-zeitmesser.de/biographien/siegerland .html)

Das sollten Sie sich ansehen:

  • Den „Alten Flecken“ historischer Stadtkern von Freudenberg

    Informationen zu Freudenberg unter www.freudenberg-tourist.de

  • Die evangelische Kirche in Freudenberg, erbaut 1601 – 1606

  • Das 4Fachwerk Mittendrin Museum mitten im „Alten Flecken“ in einem sanierten Fachwerkhaus in der Mittelstraße (www.4Fachwerk.de)

  • Den Kurpark mit Blick auf das Fachwerkensemble („Fotoblick“)

  • Den Dom zu Niederfischbach (ca. 3,5 km Richtung Kirchen Betzdorf)

    Informationen unter www.niederfischbach.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten.php

Und so kommen Sie nach Freudenberg:

  • Mit dem Pkw:
    über die A 45 Anschlussstelle Freudenberg, dann Richtung Zentrum.

  • Mit der Bahn:
    bis Siegen, von dort mit dem ÖPNV nach Freudenberg. Der „Alte Flecken“ ist fußläufig von der Haltestelle Mórer Platz zu erreichen.

    Das können Sie in Freudenberg erleben:

  • Südwestfälische Freilichtbühne Freudenberg

    www.freilichtbuehne-freudenberg.de

  • Technikmuseum Freudenberg

    www.technikmuseum-freudenberg.de

  • Kletterwald Freudenberg

    www.kletterwald-freudenberg.de

  • Veranstaltungen des „KulturFlecken“

    www.kulturflecken.de

  • Mc-Play Kinderland

    www.mcplay-freudenberg.de

    Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Kultur- und Touristikbüro

Kölner Straße 1, 57258 Freudenberg

Tel.: 0 27 34 / 4 3 - 1 64

Fax: 0 27 34 / 4 3 - 1 22

E-Mail: tourist@freudenberg-stadt.de

Internet: www.freudenberg-stadt.de