Denkmal des Monats - Juli 2017

Südwestfalen
Ehemaliges Haus "Stahlschmidt" (Freudenberg)

Am 17.09.1864 gründeten einige christlich gesinnte Bürger eine "Kleinkinderschule" als ausschließlich private Einrichtung.

Diese ersten Anfänge führten dazu, dass am 12.11.1865 eine Interessentengemeinschaft gebildet wurde, deren Leiter der damalige Freudenberger Pastor Bernoulli und der Lehrer Christian Schneller waren.

Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung muss vor dem wirtschaftsgeschichtlichen Hintergrund der damaligen Zeit gesehen werden. Im Zeitalter der aufkommenden Industrialisierung konnte ein Arbeitnehmer häufig nicht den notwendigen Lebensunterhalt seiner Familie sicherstellen. Deshalb war es oftmals erforderlich, dass auch die Ehefrau durch Arbeit zum Familienunterhalt beitrug.

Daraus ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten bezüglich der Betreuung der Kinder. Für die Betreuung von Kindern bis zum 6. Lebensjahr wurde daher eine gesonderte Einrichtung geschaffen: Die Kleinkinderschule.

Die pädagogische Betreuung übernahm jeweils eine Diakonisse des Diakonissen-Mutterhauses Nonnenweier bei Lahr/Baden.

Da der ursprüngliche Standort der Kleinkinderschule aufgrund der steigenden Zahl der Kinder nicht mehr ausreichend war, fand am 21.10.1866 ein Umzug in eine ehemalige Scheune statt, die zur Kleinkinderschule umgebaut wurde. Dabei handelt es sich um einen Teilbereich des jetzigen Gebäudes in der Oranienstraße 25.

Im Bereich des Erdgeschosses befand sich zunächst auch die Wohnung der "Schultante". Bereits im Jahre 1878 wurde eine Aufstockung des Gebäudes notwendig. Die Wohnung der "Schultante" befand sich zukünftig im ersten Stockwerk. Die bisherige Wohnung im Erdgeschoss wurde nun von den Kleinkindern mitbenutzt. Im Jahre 1900 wurde der an der Rückseite befindliche Schleppdachanbau errichtet.

Eine ernste Gefährdung für die Tätigkeit der Kleinkinderschule Freudenberg, stellte eine Anordnung des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Westfalen dar, die eine Umwandlung der Kleinkinderschule in einen NSV-Kindergarten (Nationalsoziallistische Volkswohlfahrt) beabsichtigte.

Bemerkenswert ist in Anbetracht der Umstände der damaligen Zeit die Antwort des Vorstandes der Kleinkinderschule. Darin heißt es u.a.: "Der jetzige Vorstand betrachtet sich als Treuhänder der auf christlicher Grundlage errichteten Anstalt und sieht sich daher nicht in der Lage, von sich aus den Charakter zu ändern. Er ist auch gewissensmäßig gebunden. Seine Mitglieder sind ausnahmslos überzeugte Christen und halten die Wahrheit der heiligen Schrift unentbehrlich zur Erziehung der Jugend. Sie sind selbst darin erzogen und können ihre Hand nicht dazu bieten, den Kindern diese Wahrheit zu entziehen".

Die Umwandlung wurde hinausgeschoben. Es erfolgte zunächst eine vorübergehende Angliederung der Kleinkinderschule an die ev. Kirchengemeinde. Unabhängig von der Kleinkinderschule entstand ein NSV-Kindergarten in Freudenberg. Die Bezeichnung "Kindergarten" setzte sich nach dem Krieg für Anstalten zur Betreuung von Kleinkindern endgültig durch. Die Zahl der Kinder, die den Kindergarten besuchten, stieg auf 120 Kinder an. Der Anstieg resultierte aus der Auflösung des NSV-Kindergartens und dem Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Da die Räume nun viel zu klein waren, wurde die unmittelbar an das Gebäude des Kindergartens angrenzende Scheune erworben. Schon im Jahre 1949 wurde der Umbau der Scheune zu Kindergartenräumen abgeschlossen.

Im Jahre 1956 ging die Kleinkinderschule Freudenberg nunmehr unter den Namen Kindergarten endgültig in die Trägerschaft der ev. Kirchengemeinde über. Es war auch weiterhin Kindern beider Konfessionen möglich diese Einrichtung zu besuchen. Der damalige ev. Kindergarten wurde im Gebäude der Oranienstraße 25 bis zum Jahre 1966 betrieben.

Nach Errichtung des ev. Gemeindezentrums an der Krottorfer Straße wurde das Gebäude des Kindergartens an den ev. Gemeinschaftsverband Siegerland und Nachbargebiete e. v. veräußert.

Der neue Eigentümer stellte das Objekt dem CVJM Freudenberg zur Verfügung, der dort gemeinsam mit der ev. Kirchengemeinde u.a. das Jugendcafe "Colour" und ein "Trauer Café" betrieb. Auch verschiedenste Veranstaltungen des CVJM wurden hier durchgeführt.

Bereits Ende 2012 wurde die Stadt Freudenberg über eine Aufgabe der Kleinkinderschule und des Vereinshaus seitens des CVJM informiert. Anfang 2015 fanden sich Interessenten für beide Objekte.

Die Kleinkinderschule wurde von dem Freudenberger Architekten Marco Petruzziello erworben. Dieser hat das Gebäude in Eigenleistung und mit tatkräftiger Unterstützung liebevoll saniert. Das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Freudenberg haben den Umbau aus Mitteln der Städtebauförderung gefördert.

So ist ein wunderschönes Wohnhaus entstanden.