Denkmal des Monats - Januar 2016

Südwestfalen
Historische Bildstöcke (Warendorf)



Die zahlreichen Bildstöcke und Wegekreuze in Warendorf zeugen von einer jahrhundertealten christlichen Frömmigkeit in der Region und prägen bis heute das Bild der münsterländischen Kulturlandschaft. Sie sind in Form von massiven Sandsteinbildstöcken, Kreuzwegstationen, Wegekreuzen oder kleinen Heiligenhäuschen mit einer Statue oder einem Relief an vielen Hofstellen, an Flurgrenzen und an vielen Wegekreuzungen und Brücken zu finden.

Häufig wurden Bildstöcke als Fürbitte oder Dank für Heilungen, für Hilfe in schwierigen Situationen oder zum Beispiel als mahnende Erinnerung an tiefgreifende Ereignisse errichtet, was sich noch heute aus den Inschriften lesen lässt. Auch zu Anlässen wie Hochzeiten wurden Bildstöcke aufgestellt. Zumeist waren die Hofherren, in der Regel Bäuerliche, die Auftraggeber. Reichere Gutsbesitzer leisteten sich (zusätzlich) eine eigene, nicht öffentlich zugängliche Kapelle. Die Aufträge führten meist lokale Stein- und Holzbildhauer aus - nur wenige Bildnisse entstanden aus der Hand von namenhaften Künstlern wie zum Beispiel im 18. Jahrhundert von der Bildhauerfamilie Gröninger aus Münster.

Die frei stehenden Wegbilder entwickelten sich seit dem späten Mittelalter aus Kruzifixen und Bildnissen auf Friedhöfen. Mit der im 14. Jahrhundert durch die Bettelorden geförderten, zunehmend privaten Religiosität wuchs eine mystische Passions- und Kreuzverehrung, die das Interesse an persönlichen Andachtsbildern begünstigte. Jedoch sind aufgrund der reformatorischen Glaubenskriege und aufgrund der starken Bewitterung im Freien kaum Bildnisse aus dem Mittelalter erhalten.

Mit Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die Wallfahrt an den Orten Buddenbaum, Freckenhorst, Telgte und Vinnenberg wiederbelebt und verstärkt durch den Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen (1650 bis 1678) gefördert. Er wollte damit der reformatorischen Bewegung im Münsterland entgegenwirken und erhob den Ort Telgte 1651 zum Wallfahrtsort, wo er wenige Jahre später eine Gnadenkapelle für eine wundertätige Marienstatue errichten ließ. Ab 1701 erhöhte sich die Zahl der Wallfahrten stark, als der Fürstbischof von Plettenberg bestehende Wallfahrten des Münsterlandes vom niederrheinischen Kevelaer nach Telgte umlenkte. Mitte des 18. Jahrhunderts setzte mit der wundertätigen Glorreichen Jungfrau auch in Warendorf die Marienverehrung ein, die mit der Prozession unter den eindrucksvollen Marienbögen in der Altstadt am Tag Mariä Himmelfahrt (Mitte August) noch heute das wichtigste Heimatfest ist. Die Wallfahrtswege zwischen den Orten wurden als Via sacra auch durch Private mit Prozessionsstationen und kleinen Andachtskapellen ausgeschmückt. Die tiefe Marienverehrung fand sich daraufhin vielfach in den Darstellungen der Warendorfer Bildstöcke wieder. Um in beide Wegerichtungen zu wirken, wurden die Bildstöcke in der Region häufig mit zwei Schauseiten als reliefierter Doppelbildstock ausgearbeitet.

Die Tradition und Pflege der Bildstöcke als Zeugnis christlichen Glaubens und Gemeinschaftssinns endet dank bürgerschaftlichen Engagements jedoch nicht. Noch heute werden an vielen Hofstellen in der Region neue Wegebilder geschaffen und historische gepflegt. Leider werden auch heute Bildstöcke und Wegekreuze häufig zum Ziel von Vandalismus. Sie brauchen daher einen besonderen Schutz durch Pflege und Wachsamkeit.

 

Der Arbeitskreis „Historische Bildstöcke und Wegekreuze" im Rotary Club Warendorf

Im Rahmen seines kulturellen Engagements hat der Rotary Club Warendorf auf Anregung von Pfarrer em. Walter Suwelack im Jahre 2006 den Arbeitskreis „Historische Bildstöcke und Wegekreuze" gebildet, um die Wegebilder im Raum Warendorf einer  breiten Öffentlichkeit zu zeigen und die dauerhafte Erhaltung der Bildwerke zu unterstützen. In seiner nunmehr 10jährigen Arbeit hat der Arbeitskreis auf dem Stadtgebiet Warendorf mehr als 385 Wegekreuze und Bildstöcke (davon fast 50 Denkmäler) inventarisiert und gemeinsam mit vielen Akteuren wie dem Kreis Warendorf, Banken, den Denkmalbehörden, vielen privaten Investoren, Vereinen und den Eigentümern ihre Restaurierung finanziert. Durch Ausstellungen, Benefizkonzerte, mit um-fangreichen Publikationen und Radwanderführern zu den Bildstöcken sowie vielen Zeitungsartikeln trägt der Verein das Bewusstsein für diese Tradition und ihre Pflege mit Erfolg in eine breite Öffentlichkeit.

 

Quellen und weitere Informationen:

http://www.wegebilder-warendorf.de

(Pfarrer em. Walter Suwelack und Alfred Pohlmann) mit weiteren Literaturhinweisen