Denkmal des Monats - Januar 2015

Südwestfalen
Die Stadtfestung (Lippstadt)



Lippstadt entstand um 1185 als planmäßige Anlage am Südufer der Lippe. Die erste westfälische Gründungsstadt und zugleich die wohl wichtigste Gründung der Edelherren zu Lippe wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein als „Stadt-Tor Lippe" bezeichnet oder nur „Lippe" genannt. Um 1220 wurden der Stadt von Bernhard II die Stadtrechte verliehen. Zu diesem Zeitpunkt war der Umriss der ersten Befestigungsstufe noch von der Topographie abhängig und nur leicht mit Graben, Wall und Palisaden befestigt, sowie von der wasserreichen Lippe geschützt. Die Stadtfläche wies eine Größe von etwa 10 ha auf.

Im 13. Jahrhundert sicherten die Stadtmauern mit insgesamt 5 Toren, die Lippe und der vorgelagerte Stadtgraben die mittlerweile auf ca. 51 Hektar gewachsene Stadtfläche. Mauern mit Wehrgängen und einer Vielzahl von Türmen sowie  Gräben umschlossen die Stadt mit 2,8 bzw. 3,1 km Länge.

Die Gesamtfläche von Stadt und deren Befestigung betrug 60,7 Hektar. Das Verhältnis Stadtgebiet und Fortifikation betrug 1:0,17. Nachdem die Belagerung eines Heeres des Kölner Erzbischofs 1447 erfolgreich abgewehrt werden konnte, wurde die Befestigungsanlage entsprechend der Entwicklung der Feuerwaffen durch Mauer- und Niederwälle modernisiert.

Nach 1524 erfolgte die 3. Ausbaustufe der Stadtbefestigung. Die ersten vor den Mauerzug tretenden Rondelle wurden von den Bürgern errichtet. 1633 bis 1650 erfolgte der Ausbau der Anlagen in der 4. Ausbaustufe zur Bastionsfestung. Durch die massiven Verteidigungsanlagen war eine Stadterweiterung nicht mehr möglich. Die von der Befestigungsanlage beanspruchte Fläche war 1623 auf ca. 23,4 ha gewachsen, die von ihr umschlossene Fläche auf 49,5 ha geschrumpft.

Entsprechend lag das Flächenverhältnis nunmehr bei 1:0,29. Die Länge der Fortifikationslinien betrug 5,5 km, die Länge der Wasserläufe der Befestigungsanlage ca. 9,5 km. Die fünf Stadttore Kluse Tor, Süder Tor, Soest Tor, Cappel Tor und Lipper Tor waren nach wie vor erhalten.

Von 1669 bis zum Beginn des Siebenjährigen Krieges waren die Anlagen nicht mehr vergrößert worden. In der 5. und letzten Ausbaustufe wurde die Festung mit allem versehen womit die mitteleuropäische Fortificationsbaulehre und ihre Ingenieure aufwarten konnten. Neben einem umfangreichen Haupt- und Nebengrabensystem und einer hochkomplexen Versorgung mittels Schleusen, wurde ein Kranz von 10 Bastionen verbunden mit Wällen, 11 im Hauptgraben vorgelagerten Ravelins, diesen vorgelagerten Redouten, Lunetten, Tennaillien und Flêches und außerhalb des avant-fossé (heute nördliche bzw. südliche Umflut) liegenden Hornwerken angeordnet. Ausgestattet waren die Anlagen außerdem mit gedeckten Wegen, Kasematten für verschiedene Zwecke, Pulvermagazinen und Pulvertürmen.

Die immensen Kosten und der Flächenverbrauch lähmten die Bürgerschaft und die Stadtentwicklung. Zuletzt betrugen Stadt- und Befestigungsflächen ca. 132 ha. Die besiedelte Stadtfläche betrug weiterhin 49,3 ha. Das Flächenverhältnis war auf 1,56:1 gestiegen.

Die Wasserläufe nutzten die wasserreichen Lippstädter Verhältnisse und hatten mit einer Länge von 16,6 km ebenso wie die Fortifikationslinien mit 18,8 km Länge ihre größte Ausdehnung erfahren.

Der fast vollendete Festungsbau endete mit dem Siebenjährigen Krieg. 1763 hob der preußische König Friedrich II die Festungseigenschaft auf und erteilte den Befehl, alle Festungsbauwerke zu schleifen. Bis dahin war Lippstadt zur stärksten Festung zwischen Rhein und Weser ausgebaut worden.

Die Niederlegung der Festung bedeutete für die Bürger zum einen eine Befreiung von vielfältigen Lasten und Erschwernissen, zum anderen war es nun möglich die Flächen wieder gärtnerisch und landwirtschaftlich zu nutzen. Die Wasserläufe blieben im Wesentlichen erhalten. Die bauliche Erweiterung des Stadtgrundrisses setzte erst langsam zur Mitte des 19. Jahrhunderts entlang den Ausfallstraßen nach Norden und Süden ein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Flächen dann weitgehend belegt.

Im Luftbild treten die Wasserläufe besonders durch den Baumbewuchs hervor.

 

Quellen:

  • Die Festung Lippstadt, Dr. Gunter Hagemann, 1985
  • Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen, Eine Dokumentation, 1992