Denkmal des Monats - Januar 2013

Südwestfalen
St. Maria zur Wiese (Soest)



Eine Inschrift im Hauptchor der Kirche nennt 1313 als das Jahr der Grundsteinlegung und mit Johannes Schendeler den Namen des ersten Baumeisters. Damit kann St. Maria zur Wiese, im Volksmund auch einfach Wiesenkirche genannt, im Jahre 2013 ihren 700sten Geburtstag feiern.

Nach über 300jähriger Bauzeit mussten, wegen viele Tote fordernder Seuchen und fehlenden Finanzmitteln infolge des wirtschaftlichen Niedergangs nach der Soester Fehde, um 1530 die Bauarbeiten eingestellt werden. Die Kirche blieb dann über 300 Jahre unvollendet. Es fehlten noch die als Ausdruck einer starken Bürgerschaft und wirtschaftlicher Macht geplanten Doppeltürme. Sie konnten, mit Hilfe des preußischen Königs, erst zwischen 1846  und 1876 in neugotischen Formen errichtet werden.

St. Maria zur Wiese gehört heute unzweifelhaft zu den schönsten hochgotischen Hallenkirchen Deutschlands. Die vollendete Harmonie des Raumes, die emporstrebenden, ohne Kapitelle in die Gewölberippen übergehenden schlanken Pfeiler, die annähernd komplett zu Fenstern aufgelösten Außenwände sowie die mittelalterlichen und neuzeitlichen Glasfenster sind hier zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk verschmolzen.

Eine hochgotische Kirche besitzt im Vergleich zu den romanischen Vorgängerkirchen ungleich mehr Steinoberfläche. Der früher in Soest abgebaute und hier verwendete Grünsandstein hat sich jedoch als nicht ausreichend beständig erwiesen. Deshalb hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte schon viele Restaurierungsmaßnahmen überstehen müssen.

Wegen des starken Verfalls, insbesondere der neugotischen Zierformen, mussten letztere zur Gefahrenbeseitigung in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts abgeschlagen werden. In einer zeitgenössischen Inschrift am Turm heißt es dazu: „Dieser Turm wurde in vereinfachender Form instandgesetzt 1931."

Die Maßnahmen erwiesen sich in der Folgezeit aber leider als nicht ausreichend. Um 1980 war die Standfestigkeit einzelner Turmteile so stark gefährdet, dass man auch über einen Abbruch und eine Neuerrichtung der Türme diskutierte. Zum Glück erwies sich jedoch eine „Runderneuerung" der Turmschaft-Außenflächen mit dem bereits im 19. Jahrhundert für die Helmspitzen verwendeten Obernkirchner Sandstein, als möglich.

Seit 1987 werden nun die Türme aufwändig rekonstruiert und saniert. Zur Durchführung dieser Arbeiten ist eigens eine Bauhütte, die Bauhütte „Zur dreifachen Treue" gegründet worden.  Nach Abschluss der Sanierung werden die Türme wieder in den neugotischen Formen die Harmonie des Kirchenbaus auch nach außen hin vollenden.

Die noch vorhandene reiche Ausstattung der Kirche tut dieses im Inneren. An dieser Stelle seien nur die Glasfenster des 14. Jahrhunderts, das Westfälische Abendmahl (Glasfenster, um 1500), die „Westfälische Madonna" (um 1390 bis 1395), die gestickte Lesepultdecke (um 1390),  die Altäre des 13. bis 16. Jahrhunderts und die Glasfenster (1960 bis 1970 und 2001 bis 2003) von Hans Gottfried von Stockhausen genannt.

Das Zusammenwirken von jeweils grandioser Architektur, Glaskunst, Malerei und Schnitzkunst machen einen Besuch von St. Maria zur Wiese zu einem unvergleichbaren Erlebnis.