Denkmal des Monats - Januar 2011

Südwestfalen
Schauroth'sches Palais (Lippstadt)



Das sogenannte Schauroth'sche Palais liegt am westlichen Rand des historischen Stadtkerns von Lippstadt. Der Name ist auf Freiherr Friedrich von Schauroth (1790 - 1861) zurückzuführen, der im Jahr 1854 dieses Palais an die katholische Kirchengemeinde St. Nicolai veräußert hat. Nach Umbau konnten im Jahr 1856 hier das kath. Krankenhaus und ein Waisenhaus einziehen.

Das Gebäude selbst wurde zwischen 1763 und 1776 im Stile des Spätbarocks als Massivbau mit Walmdach in zweigeschossiger Bauweise errichtet. Ein flacher Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel wird durch eine Tabanakelnische mit Madonnenfigur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestaltet. Die Haustür ist als flach geschnitzte, zweiflügelige Rokokotür ausgebildet. Die Gebäudeecken und der Risalit werden durch Pfeiler mit korinthischen Pilastern betont.

Im Inneren des Gebäudes ist immer noch eine qualitätvolle Ausstattung der Erbauungszeit zu finden. Das aufwendig geschnitzte Treppenhaus, die bauzeitlichen Türen, Stuckdecken und Ofennischen zeugen vom Repräsentationswillen des Erbauers. Die eigentliche Besonderheit dieses Gebäudes liegt jedoch im Verborgenen.

Heute, für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, ist in dem kleinen Palais noch die ehemalige Wallpoterne integriert.

Unter einer Wallpoterne ist der gemauerte Durchgang durch eine Wallanlage zu verstehen. Sie ist somit ein wesentlicher Bestandteil der ehemaligen Stadtbefestigung von Lippstadt, die aus Wall und Wassergräben bestand. Bei dieser Poterne handelt es sich um das ehemalige Soesttor, also einen der Haupteingänge zur befestigten Stadt. Sie wurde 1669 im Rahmen des Ausbaus der Befestigungsanlagen gebaut und hatte ihre Funktion als Stadttor bis zur Schleifung der Anlage 1764.

Es ist natürlich davon auszugehen, dass auf Grund der besonderen Bedeutung dieses Stadteingangs die Poterne sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite mit einer gestalteten Fassade versehen war. Ebenfalls war es damals üblich, die Stadttore mit Wachstuben zu flankieren.

Um die Stadt Richtung Soest zu verlassen, musste man somit an dieser Stelle das Soesttor passieren, überquerte anschließend den Hauptgraben, dann einen Nebengraben, folgte einem Weg Richtung Westen auf der Nordseite der südlichen Umflut und überschritt die südliche Umflut im Bereich des Torwärterhauses (heute Soesttor Nr. 42), um dann die Wege Richtung Hellinghausen und Soest zu erreichen.

Nach Niederlegung der Stadtbefestigung blieb die Wallpoterne des Soesttores auf dem Grundstück des Justitialrats Rose erhalten. Es waren sicherlich wirtschaftliche Gründe, die dazu geführt haben, dass dieses große massive Bauwerk in den Neubau des Palais einbezogen wurde.

Die heutige Lage der Poterne ist im Gebäude gut zu erkennen. Auch anhand der mächtigen Außenwände kann noch erahnt werden, wie massiv die Poterne ausgebildet wurde, um dem Erddruck der Wallanlage stand zu halten.

Leider kann der Raum der Poterne der Öffentlichkeit heute nicht mehr gezeigt werden, da er durch ein medizinisches Großgerät weitgehend ausgefüllt ist. Dagegen stehen die Räumlichkeiten im 1. OG dem geschichtlich interessierten Besucher zur Verfügung. Seit 2007 befindet sich dort das Schützenmuseum, wo eine Vielzahl von Exponaten die Historie der Lippstädter Schützenfamilien reflektiert.