Denkmal des Monats - Januar 2010

Südwestfalen
Bürgerhaus in der Kloserstraße 7 (Warendorf)



Baugeschichte des Bürgerhauses

Das klassizistische zweistöckige Bürgerhaus Klosterstraße 7 wurde 1812/15 siebenachsig mit einem leicht vorgezogenen risalitartigen Mittelteil (3 Achsen) traufenständig errichtet. Vor dem Eingang in der Mittelachse befindet sich eine erneuerte Freitreppe mit einem schmiedeeisernen Geländer. Sie enthält ebenso wie der Haupteingang des Hauses Stilelemente aus dem Sonnentempel von Cuzco. Die Gesimse und Gewände sind in Sandstein ausgeführt, wovon das Traufgesims reichhaltig profiliert ist. Auf der rückwärtigen Seite des Hauses befindet sich ein halbrunder Verandaausbau durch beide Geschosse.

Die Innenausstattung des Hauses ist weitgehend erhalten. Das Foyer mündet in einen großen ovalen Gartensaal, wobei die Verbindungstür mit kannelierten Pilastern und ionischen Kapitellen flankiert wird.

Im Gartensaal und dem benachbarten Salon befinden sich handgedruckte Bildtapeten, die 1823/24 in der Pariser Manufaktur Dufour & Leroy hergestellt wurden. Während die Bildtapete im ovalen Saal „Die Inkas oder die Zerstörung des Reiches von Peru" zum Thema hat, zeigt die andere Bildtapete im Salon die Geschichte des „Telemach auf der Insel Kalypso". Beide Bildtapeten gehen auf die Romanerzählungen französischer Schriftsteller zurück. Der Theologe Francois de Salignac de la Mothe Fenolon (1651-1715) stellte in seinem Roman „Die Abenteuer des Telemach" die hohe Kunst des Regierens dar und kritisierte damit gleichzeitig den adeligen Hofstaat. Die Inka-Geschichte entstand aus der Feder des Jean Francois Marmontel (1723-1799). In dem Bildzyklus wird das Leben und der Sonnenkult der Inkas beschrieben. Die Bilder schildern die Spannung zwischen den Ureinwohnern und den spanischen Eroberern.

Nutzungsgeschichte des Bürgerhauses

Dr. med. Franz Joseph Katzenberger, der das Haus 1812 errichten ließ, erhielt 1791 mit 24 Jahren den Titel Hofrat von dem königlich preußischen Prinzen August Ferdinand, dessen Tochter Ferdinande er durch den sog. Kaiserschnitt mit Erfolg entband.

Bis zum Jahr 1950 befand sich das Gebäude über Generationen im Familienbesitz der Nachfolger seines Erbauers, bis es an das Ehepaar Wörmann veräußert wurde. 1982 gelangte das Gebäude durch Erbschaft an die Pfarrgemeinde St. Laurentius und diente fortan als Bürogebäude u. a. für das Kreisdekanat Warendorf, das kath. Kreisbildungswerk Warendorf und die Hausdruckerei. Seit 1999 gehören die „Tapetensäle" zum dezentralen Stadtmuseum und ein im Stil des Biedermeier neu gestaltetes und eingerichtetes Zimmer.

Im Jahr 2008 verkaufte die kath. Kirchengemeinde St. Laurentius das Gebäude an den Warendorfer Arzt Dr. Thomas Weritz.