Denkmal des Monats - Januar 2006

Südwestfalen
Bau- und Bodendenkmal “Hohes Hospital” (Soest)





Südwestlich der Petrikirche liegt im Zentrum Soests eine annähernd quadratische Parzelle, auf deren Gelände bis zum endgültigen Abriss 1809/10 das seit der Reformation so bezeichnete „Hohe Hospital“ stand. Zwischen 1884 und 1993/94 haben verschiedene Ausgrabun-gen auf dem Gelände stattgefunden, die Einblick in die Besiedlungsgeschichte dieses zentral gelegenen Innenstadtareals gewährten. Von großer Bedeutung hierfür war die Ausgrabung der Jahre 1993/ 94 auf der Fläche des 1991 abgerissenen St. Petri-Gemeindehauses.

Nach der Nutzung des Geländes als Friedhof der St. Petri-Kirche im 9. und 10. Jahrhundert erfuhr die Parzelle um 1000 eine geradezu radikale Umstrukturierung mit dem Bau eines mächtigen Donjons oder Wohnturmes von 25 x 25 m Grundfläche und vier Geschossen bei einer Höhe zwischen 25 bis 30 m. Der Innen-raum des Turmes wurde durch eine Nord-Süd verlaufende, im Fundament ca. 2 m dicke Quermauer in zwei Raumhälften geteilt. Die etwa 2 m tiefen Fundamentgräben für die 2,6 m mächtigen Grundmauern aus sorgfältig gesetztem, gemörteltem Bruchsteinmauerwerk durchschnitten ohne Rücksicht den karolingischen Friedhof, auf dem damals noch relativ frische Bestattungen gelegen haben mussten.

Die geschilderte Anlage, in späterer Zeit als „palatium sive turris“ bezeichnet, ist mit großer Sicherheit als ältere Pfalz der Kölner Erzbischöfe in Soest anzusprechen und hatte sowohl Wohn- als auch Wehr- und Repräsentationsfunktionen. Zudem diente sie wegen der Gastungspflicht der Bischöfe gegenüber den Herrschern, durchreisenden deutschen Kaisern und Königen als Unterkunft. Ihre in Westfalen fast einmalige Monumentalität und frühe Bauzeit sprechen dafür, Soest als bedeutende Nebenresidenz zu identifizieren, die als wichtiger kölnischer Stützpunkt am Hellweg fungierte und dementsprechend ausgebaut und gefördert wurde.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts änderten sich die Besitzverhältnisse. Die Pfalz wurde unter Philipp von Heinsberg innerhalb des Stadtgeländes zur Kirche Alt-St. Thomä verlagert. Eine auf 1178 datierte Urkunde vom Anfang des 14. Jahrhunderts vermeldet dann eine Hospitalsgründung auf dem Pfalzgelän-de, wobei bestehende Gebäude vom Stift übernommen wurden. Dass es aber mit der Einrichtung des Hospitals große Umbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen gemäß der notwendigen Unterbringung von Ordensleuten und Kranken gegeben hat, zeigen eindrucksvolle Baubefunde aus der Zeit um 1200.

Weitere große Veränderungen in der Bausubstanz sind mit der Umwandlung des „Hospitals zum Heiligen Geist“ in ein Pfrundhaus für ledige, junge Frauen aus dem mittleren und oberen Bürgertum der Stadt zu Anfang des 14. Jahrhunderts zu verbinden.

Bereits vor 1799 wurden die Osthälfte des Turmes und seine östlichen Anbauten abgerissen. Nach dem endgültigen Abriss 1809/10 blieb vom Turm letztlich nur bis zu einer geringen Höhe die Nordwand, die so genannte „Wittekindsmauer“, erhalten, da sie nördlich angrenzenden Fachwerkhäusern als Rückwand diente. Sie ist als Baudenkmal, ebenso wie die gesamte Grundfläche des Hohen Hospitals als Bodendenkmal, in die Denkmalliste der Stadt Soest eingetragen. Dadurch ist der Erhalt eines der bedeutendsten Denkmäler Westfalens für die Nachwelt gesichert.

Ausschnitt  aus einer Stadtansicht von Braun  + Hogenberg aus dem Jahre 1588. Das Hohe Hospital vor den mittelalterlichen Kirchen.